DuMont und der Bonner General-Anzeiger

Der Verlag des General-Anzeigers (Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH) wurde 1725 als Hofdruckerei Kurfürst Clemens Augusts von Leonhard Rommerskirchen gegründet. Sie befindet sich in zehnter Generation im Besitz der Familie Neusser. Gegründet wurde der General-Anzeiger bereits 1889 von Vorfahren der Verlegerfamilie Neusser. Auch unter den Nazis konnte der Titel lange weiter erscheinen. In der Nachkriegszeit durfte die Zeitung zunächst nicht wieder aufgelegt werden. Erst im Oktober 1949 erschien sie wieder und konkurrierte mit inzwischen etablierten Lizenzzeitungen. Der Aufschwung der Stadt Bonn, der mit der Hauptstadtfunktion verbunden war, nutzte auch der einzigen am Ort hergestellten Zeitung.

Die Holding H. Neusser gehört zu den Zeitungsunternehmen, die auch Zeitschriften verlegen. Der Verlag hat die Regionalzeitschrift Bonner Illustrierte übernommen. Während die Monatszeitschrift eingestellt wurde, werden Spezialausgaben für Studenten weiterhin zweimal jährlich herausgegeben. Daneben wird der eingeführte Titel auch für Restaurant- und Shoppingführer genutzt. Der lokale Medienmarkt wird insgesamt multimedial bearbeitet (Medienatlas NRW).

An der Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH sind beteiligt: H. Neusser Besitz- und Verwaltungs GmbH&Co.KG (82 %) sowie die DuMont Mediengruppe (18 %). Hermann Neusser jun. hält 86,7 Prozent an der Besitz- und Verwaltungs Gesellschaft, Bettina Eimermacher-Neusser 13,3 Prozent (KEK-Online).
bonnerGA

Das Bundeskartellamt hat am 8. September 2004 den Einstieg von M. DuMont Schauberg bei der Bonner Zeitungsdruckerei untersagt. Begründet wurde die Untersagung in erster Linie damit, dass der Zusammenschluss zur Verstärkung marktbeherrschender Stellungen auf den betroffenen Leser- und Anzeigemärkten geführt hätte.

DuMont gibt den „Kölner Stadtanzeiger“ und die „Kölnische Rundschau“ heraus, die Bonner Zeitungsdruckerei gibt den „Bonner General-Anzeiger“. Letzterer ist in großen Teilen seines Verbreitungsgebiets die eindeutig führende Erstzeitung, „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ sind die einzigen aktuellen Wettbewerber. Daher würde die Marktstellung des „Bonner General-Anzeigers“ durch den Zusammenschluss abgesichert und verstärkt, ebenso die marktbeherrschende Stellung des „Kölner Stadt-Anzeigers“ und der „Kölnischen Rundschau“ im Raum Köln. DuMont hatte zwar den ursprünglich geplanten Erwerb von 18,03% an der Bonner Zeitungsdruckerei bereits auf 9,015% reduziert, nach Ansicht des Kartellamts würde jedoch auch diese Anteilshöhe auf Grund der wirtschaftlichen und wettbewerblichen Interessenlage und der durch die Gesellschafterstellung vermittelten Einsichts- und Informationsrechte zu einem wettbewerbsrechtlich erheblichen Einfluss führen. Zudem bestünden bereits weitgehende wirtschaftliche Verflechtungen u.a. über die gemeinsam beherrschte Bonner Anzeigenblatt GmbH & Co. KG, die im Kernverbreitungsgebiet des General-Anzeigers Anzeigenblätter herausgibt.

Am 6. Juli 2005 hob das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf ein Veto des Bundeskartellamts auf. DuMont Schauberg durfte daraufhin höhere Anteile (2012: 18 %) am Verlag des Bonner General-Anzeiger übernehmen.

2005 stellte der Heinen Verlag die Bonner Rundschau als eigenständigen Titel ein.  Seit dem genießt der General-Anzeiger in seinem wichtigsten Teilmarkt, in der Stadt Bonn (über die Hälfte der Gesamtauflage), die Vorteile des Monopols. Mit den übrigen Ausgaben steht er allerdings im Wettbewerb. Im linksrheinischen Teil des Rein-Sieg-Kreises ist er dabei mit deutlichem Vorsprung Marktführer. Im rechtsrheinischen Teil gilt das nur für die direkten Nachbargemeinden Bonns. In Bad Honnef profitierte der General-Anzeiger Mitte 2002 von der Einstellung der kleinen Honnefer Volkszeitung. Traditionell wird der General-Anzeiger auch jenseits der Grenze mit Rheinland-Pfalz vor allem unter dem Titel Rhein-Ahr-Zeitung vertrieben.

Seit 2010 produziert der Bonner General-Anzeiger den Mantel für die Kölnische Rundschau (Heinen Verlag).

2016 entschied sich das Unternehmen, die eigene Zeitungsdruckerei zu schließen und den Druckauftrag fremdzuvergeben, an die Rheinzeitung in Koblenz.

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