Der wohl letzte Auftritt von Dr. Bauer in Hamburg

Konstantin Neven DuMont am 25. März 2009 in der Hamburger Morgenpost

Am kommenden Dienstag, den 19. März 2019, besucht der DuMont-Vorstandsvorsitzende, Dr. Christoph Bauer, die MOPO. Es dürfte wohl sein letzter öffentlicher Auftritt in der Hamburger Traditionszeitung werden. Bereits zum Neujahrsauftakt 2019 zog es ihn in Hamburg zu facelift, aber nicht mehr in die MOPO. DuMont prüft den Verkauf seiner Zeitungen.

DuMont startete am 25. März 2009 in der MOPO

Zum 1. April 2009 wurde die DuMont Mediengruppe Eigentümer der Hamburger Morgenpost. Am 25. März 2009 stellten sich die drei DuMont-Vorstandsmitglieder Konstantin Neven DuMont, Christian DuMont Schütte und Dr. Eberhard Klein sowie der Berater von Alfred Neven DuMont, Peter Pauls, den Beschäftigten in der Griegstrasse 75 vor. Sie redeten über die Zukunft der MOPO. Jetzt, zehn Jahre später, dürfte man die Prognose abgeben, dass sich diese „Beziehung“ dem Ende näher.

In den letzten zehn Jahren nicht die erste Verkaufsabsicht von DuMont

Es ist nicht das erste Mal, dass DuMont versucht hat, die Mopo zu verkaufen. Diesmal könnte es eng für die Hamburger Zeitung werden, da die Gattung der regionalen Print-Boulevard-Zeitung erheblich unter Glaubwürdigskeitsverlust steht. Bereits 2013 gab es Verkaufsgespräche. Dr. Bauer bestätigte es auf seiner ersten Versammlung in der MOPO.

DuMont in der MOPO dürfte vor dem Ende stehen

Zwar bemüht man sich bei DuMont um die Darstellung, dass man prüfe. Ein Verkaufsprospekt ist allerdings von anderer Qualität, als wenn man sich im Rahmen einer Etatplanung mal unverbindlich Gedanken macht oder die rhetorische Frage aufwirft, ob man sich trennt. DuMont versichert, dass die Klärung bis Sommer 2019 dauert und dass man danach auch informieren wolle. Es ginge dem Vorstand um die Weiterentwicklung von DuMont. Mit dem öffentlichen Bekanntwerden der Verkaufsabsichten ist Bewegung unter die bereits vorhandenen Anbieter gekommen und weitere dürften sich gemeldet haben. Es ist so oder so Bewegung am Markt, auch um die MOPO oder Teile von ihr.

Mehr Gewinne als Verluste in der DuMont-Periode

Zum 1. April 2009 schrieb die MOPO satte Gewinne. Das hielt auch die ersten Jahre unter DuMont an. Bis 2013 lieferte das Unternehmen durch die Bank schwarze Zahlen an, danach wurde es kritisch, auch weil man ständig Restukturierungsprogramme auflegte, um die Kosten zu senken, aber nicht, um die Marke nach vorne zu treiben. Die Umsatzverschiebungen gingen auch an der MOPO nicht vorbei. Zum sind es die sinkenden Anzeigenumsätze, zum anderen erst die stagnierenden, dann sinkende Vertriebsumsätzen. Auf der Kostenseite, so war immer zu hören, sein es vor allem die steigenden Dienstleistungskosten von DuMont durch die Zentralisierung von Tätigkeiten, die die Personaleinsparungen in der MOPO konterkariert haben sollen. In den Bilanzen stellte sich das so da (2016) „Deutlich steigen werden vor allem die Dienstleistungskosten aus der Gruppe mit 11,5%, hier vor allem durch eine erstmals weiterverrechnete Umlage der Holdingkosten an die Morgenpost Verlag GmbH. “ (2017): „Wesentlicher Mehraufwand (Veränderung) entstand in Höhe von TEUR 223 für die erstmalig in Rechnung gestellten Dienstleistungen der Holdinggesellschaft, für Beratungskosten auch im Rahmen der Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen und -strategien in Höhe von TEUR 199…“

Jahresüberschuss/Verlust
2017– 2,347 Mio.€
2016– 0,498 Mio. €
2015+ 0,650 Mio. €
2014– 1,084 Mio. €
2013+ 0,597 Mio. €
2012+ 0,931 Mio. €
2011„…erwirtschaften positive Ergebnisse.“
2010„…erwirtschaftete bei einem Umsatz von TEUR 20.324
einen Jahresüberschuss.
2009 „… schließt das Jahr 2009 mit einem sehr erfreulichen
Jahresüberschuss ab.“
2008+ 3,437 Mio. €
2007+ 2,931 Mio. €

Quelle: Bilanzen

Die MOPO war unter DuMont nie ein geliebtes Kind. Sie hatte nicht den öffentlichen Klang wie die Berliner Zeitung in Berlin. Es gab weniger Synergien zwischen den Abo- und Boulevardredaktionen. DuMont in der digitalen Strategie, bedeutete unendlich viel vergeudete Zeit. Die redaktionelle Neuaufstellung im Sommer 2017, die Neuerfindung von Boulevard im digitale Zeitalter, hat die Lage der Zeitung und ihrer Transformation nur noch weiter belastet.

Gesamtumsatz
in Mio. €
Anzeigen
Erlöse
digitale
Erlöse
Vertriebs
Erlöse
sonstige
Erlöse
201717,635 4,601 1,922 10,495

0,617

201618,0724,8471,79910,9300,496
201518,8355,1781,73611.6360,285
201419,001k.A.k.A.k.A.k.A.
2013k.A.k.A.k.A.k.A.k.A.
2012k.A.7,2471,02511,650k.A.
2011k.A.7,8810,81011,951k.A.
2010k.A.8,3160,567k.A.k.A.
200822,76411,255k.A.11,1910,200
200722,87311,664k.A.11,1910,108

Quelle: Bilanzen 

Was ist das prekäre an der MOPO?

Die Gründe für die schwierige Lage der MOPO ergeben sich aus dem Gattungswandel vom Print zum Digital, der besonderen Rolle der Boulevardzeitungen in diesem Prozess, aber auch langanhaltenden strategische Krise von DuMont in der Entwicklung des Zeitungsbereichs und Online bzw. dessen Ausläufer auf die MOPO sowie der Reduzierung der MOPO auf sich selber, so dass Wachstumspotentiale nicht erschlossen werden konnten.

Ein Kommentar zu “Der wohl letzte Auftritt von Dr. Bauer in Hamburg

  1. Die MOPO ist eine tolle Traditionszeitung, welche unbedingt erhalten werden muss. Tolle, engagierte Redakteurinnen und Redakeure machen eine klasse Arbeit, super Geschichten und Berichte. Das darf nicht weiter kaputt gemacht werden. Die digitale Transformation läuft nicht gut. Das liegt aber nicht an den Mitarbeitern (die haben einen Haufen guter Ideen, die aber in der Führungsetage nicht gehört werden). Hier ist der Leitfaden des Managements… Digitale Transformation besteht aus Nullen und Einsen. Einsen waren leider ausverkauft. Geblieben sind die…… DuMont hat das digitale Zeitalter verpennt. So wie einst ein derzeit führender DuMont Mitarbeiter dem Internet nur ca. 3 Jahre Überlebenschance gab, so hat man es der Konkurrenz überlassen, die digitale Welt zu erobern. Alles, was von DuMont bisher kam fühlt sich an, wie ein 4 Aufguss eines kalten Tees. Es bedarf neuer, innovativer Ideen. Diese sind aber von den bisherigen Entscheidern nicht zu erwarten.

    Ich drücke der MOPO alle Daumen, dass Sie bad wieder aufblühen kann.

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