Kündigungen in Berliner Redaktion ausgesprochen: „Mehr als eine Warnung an alle“

kündigungWie vermutet, haben die Redakteure/innen der  DuMont Redaktionsgesellschaft am 27. Juli 2018 ihre Kündigung erhalten. Der Betriebsrat der Berliner DuMont-Redaktionen schrieb dazu an die Redakteur/innen:

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

der mutmaßlich schöne Ausklang dieses Freitags, der Blutmond über Berlin, steht in seltsamen Kontrast zu dem, was tagsüber lief. Hier im Haus. Wir wollen das nicht unkommentiert lassen.

Heute hat DuMont, unser Arbeitgeber, den entscheidenden Schritt zur Abwicklung der Hauptstadtredaktion getan. Dafür kam der Geschäftsführer der DuMont Redaktionsgemeinschaft GmbH, Christian Kirschner, extra ins Haus – um 16 Kolleginnen und Kollegen, mehr als jedem Zehnten von uns übrigens, eine Kündigung in die Hand zu drücken.

Ihr kennt sie alle aus unseren Zeitungen. Ihr werdet sie künftig nicht mehr alle bei uns lesen können.

Unser DuMont-Vorstandsvorsitzende Christoph Bauer hat die Gekündigten kürzlich noch als „einige der besten Journalisten Deutschlands“ bezeichnet. Wir als Berliner Betriebsrat hätten es daher mit Respekt zur Kenntnis genommen, wenn Herr Dr. Bauer heute selbst die Gelegenheit gefunden hätte, diesen Kolleginnen und Kollegen ins Auge zu schauen – und sich ihren Fragen zu stellen. Auf unsere Einladung, nach Berlin zu kommen, gab es aber leider keine Reaktion.

Stattdessen heißt es in einer Mitteilung an den Betriebsrat, es gebe keine Möglichkeit der Weiterbeschäftigung in diesem Haus, also in den übrigen Redaktionen und Teams. Jeder hier weiß – offenbar außer den Geschäftsführungen – dass eine solche Feststellung der Wirklichkeit Hohn spricht. Umgekehrt ist es richtig: Es gibt kein Team in diesem Haus, das keine Verstärkung nötig hätte, nicht selten sogar bitter nötig. Überall fehlt uns Personal für guten Journalismus.

Wir können als Betriebsrat diese Kündigungen leider nicht verhindern. Wir können den meisten nicht einmal widersprechen, weil eine Zeitung ein Tendenzbetrieb ist mit weniger Mitbestimmungsrechten als andere. Das haben wir hinzunehmen.

Nicht hinnehmen werden wir allerdings den Umgang mit uns. Nach nur anderthalb gemeinsamen Jahren am neuen Kreuzberger Standort wird ein harter Personalabbau mit vagen Versprechungen auf einige neue Jobs bei einem bisherigen Konkurrenten durchexerziert. Die Kündigung in der Hand, weiß immer noch niemand, ob er oder sie übernommen wird von Madsack. Klar ist nur, dass es nicht alle sein werden, denn es wird höchstens zehn Stellen geben.

Nach acht Jahren harter Arbeit in der Rege stehen die Kollegen damit draußen. Für manche ist es das Aus nach zehn, nach 15 oder nach mehr als 25 Jahren in den Redaktionen von Berlin und Frankfurt. Jetzt wird die Tür geschlossen.

Beim Umzug vom Alexanderplatz lief es bekanntlich genauso. Das ist für alle, die in diesem Haus bleiben, mehr als eine Warnung.

Euer Betriebsrat

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Ein Kommentar zu “Kündigungen in Berliner Redaktion ausgesprochen: „Mehr als eine Warnung an alle“

  1. So wie es scheint, braucht DuMont (Christoph Bauer u.a.) keine der besten Journalisten Deutschlands um Qualitätszeitungen zu produzieren. Die kosten einfach nur Geld. Eine App namens Newsaggregator müsste her. Sie durchforstet automatisch das Internet nach Nachrichten und füllt damit ganze Seiten. Anschließend werden entweder die Zeitungsnamen ausgetauscht oder DuMont gründet die DEZ,, die DuMont Einheits Zeitung. Fertig ist die Gelddruckmaschine. DuMont war mal ein Traditionshaus mit Charakter und Kultur. Dies ist lange her. Sehr lange. Wer zurück blickt weiß, wie damals mit dem Gut Mitarbeiter, Mensch, Journalismus im Hause DuMont umgegangen wurde. Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Die Leitsätze, die DuMont sich einst gegeben hat, sind Makulatur. Anstatt mit innovativen Ideen und Produkten die Menschen für sich zu begeistern bestimmt nun das Thema Massenware das Tagesgeschäft. Wie bekomme ich möglichst preiswert Seiten voll. Man hat keinen Anspruch, keine Alleinstellungsmerkmale mehr, man ist einer unter vielen. Und warum soll der Leser für einen unter vielen Geld ausgeben, wenn er vieles was dort steht kostenlos im Internet bekommen kann. Der groß angepriesene Manager Christoph Bauer hat schon lange begonnen die Tradition des ehemaligen Familienunternehmens zu begraben. Sehr traurig ist es für die Mitarbeitenden, die diese ganzen Entscheidungen ausbaden müssen, Hier hängen Existenzen dran, über die keiner im Vorstand nachdenkt. Die berühmten Floskeln… Glauben sie uns, uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen und sie haben immer hervorragende Arbeit für unser Haus geleistet, aber ……………….
    Ich wünsche allen gekündigten Redakteuren viel Kraft und Erfolg für ihre Zukunft und allen Dableibenden viel Durchhaltevermögen, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Anerkennung und Wertschätzung ihrer Leistung. Denn das Kapital einer Firma war und ist noch immer die Arbeitskraft, der Mensch.

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