Was passiert gerade bei DuMont?

passiert.pngNach Monaten der Gespräche zwischen DuMont, Madsack und Funke kommt es nun zu einer neuen Kooperation zwischen großen Verlagshäusern: Die DuMont Mediengruppe verabschiedet aus der Eigenerstellung in den überregionalen Themen Politik und Wirtschaft. Die Madsack Mediengruppe bietet künftig über das neue Tochterunternehmen RND Berlin die überregionalen Themen für die Gattungen Print und Online für DuMont – die daran zu 25 Prozent beteiligt ist. In Berlin wird geschrieben, in Hannover produziert. Die fertigen Seiten werden dann in die technischen Systeme an den jeweiligen DuMont-Standorten gehoben.

Deutlicher kann der Strategiewechsel der Mediengruppe werden: Was mit den ehemals familiengeführten DuMont-Vorständen nicht möglich war, wird sich unter einem managementgeführten Vorstand zum 1. Oktober 2018 vollziehen. Dass der Aufsichtsrat, in dem die Familienmitglieder ja immer noch sitzen, dieser Strategie selber verfolgt hat, sagt es aber auch etwas aus über die angebliche Tradition aus: Es geht dabei nur um die Außendarstellung.

DuMont ist und bleibt der getriebene Verlag im Wettbewerb um die künftige Stellung der verschiedenen Mediengruppen im regionalen Medienmarkt. Dem DuMont-Vorstandsvorsitzenden Dr. Christoph Bauer ist es nach fast fünf Jahren immer noch nicht gelungen, die Gruppe wirtschaftlich zu sanieren. Der Druck aus dem operativen Geschäft bleibt, wenn man sich das klägliche Ergebnis von 6,5 Millionen Euro in 2017 ansieht. Bauer selber dürfte auch unter Druck stehen, muss Erfolge liefern. Während andere regionale Zeitungsgruppen mit einer Neupositionierung erfolgreich waren, muss sich DuMont weiter von seinen redaktionellen Engagement trennen. Und dass Christian DuMont-Schütte als aktueller Aufsichtsratsvorsitzender in den Medien das Wort zu dieser neuen Kooperation ergreift, lässt aufhorchen.

Was waren das noch für vollmundige Erklärungen, nachdem DuMont 2016 den Berliner Verlag grundlegend umgebaut und die Hälfte der Beschäftigten im Berliner Kurier und der Berliner Zeitung rausgeschmissen hatte. So sprach das Management im Berliner Verlag bereits im März 2017 davon, dass man für das Geschäftsjahr „von einem positiven EBITDA und dem Erreichen des Break-even“ ausgehe. Begründet wurde dies mit dem Restrukturierungen und deren Effekte auf der Kostenseite. Die Realität dürfte eine andere sein: Es reicht nicht, um als Medienhaus erfolgreich zu sein.

So muss man deutlich sagen: Die Vergabe des Mantels Print und Online bei dem Themen Politik und Wirtschaft reduziert die publizistische Vielfalt. Dem stellvertretnden ver.di-Vorsitzenden Frank Werneke ist zuzustimmen, wenn er sagt: „Wer auf sinkende Auflagen mit der Einschränkung journalistischer Vielfalt reagiert, ist auf dem falschen Weg … Die betroffenen Redaktionen können sich unserer Unterstützung bewusst sein, und auf keinen Fall darf es zu Entlassungen von Redakteurinnen und Redakteuren kommen.“

DuMont ist mit seinen ambiotierten Plänen, selbst Akteur in überregionalen Themen zu werden, gescheitert. Die erst 2011 aufgebaute DuMont Redaktionsgemeinschaft dürfte mit der jetzigen Mantellieferung Geschichte sein. Zunächst war die Firma Lieferant und Produzent für die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau, dann für den Kölner Stadt-Anzeiger und die Mitteldeutsche Zeitung, später auch für Weser Kurier. So kann man derzeit noch die Leistung der Hauptstadtredaktion auf den Webseiten von DuMont lesen: „Renommierte Redakteure recherchieren und schreiben für die Tageszeitungen der DuMont Mediengruppe investigative Berichte, exklusive Reportagen, Analysen und Leitartikel aus den Ressorts Politik und Gesellschaft. Wirtschaftsthemen liefern namhafte Autoren aus Frankfurt.” Doch was schert die ihr Geschwätz von gestern …

Erst zum 1. Januar 2018 wurde noch die Politik-Redaktion der MOPO von Hamburg nach Berlin verlagert. Sie lieferte bisher aus der Freien und Hansestadt den Politik-Mantel für die drei Boulevard-Titel Express, Kurier und MOPO. Trotz aller Widerstände aus dem Haus und dem Betriebsrat vertrat das Unternehmen den Standpunkt, dass nur es aus Berlin wirklich gut werden kann. Jetzt, nach nur fünf Monaten Betrieb, sieht sich der Betriebsrat bestätigt: Das Projekt der Mantellieferung in der DuMont Mediengruppe lautete NOVUS, zu dem der MOPO-Betriebsrat prognostizierte, dass es im laufenden Kalenderjahr zu einer höheren Synergie unter den DuMont Titeln Print und Online kommen dürfte. Heute muss man wohl hinzufügen: Man dürfte ebenfalls schon seit Monaten im Gespräch mit Funke und Madsack gewesen sein.

Die Boulevard-Titel von DuMont sind das größte Problem der Gruppe. Anfang der 2020er Jahre werden sie nach dem heutigen Auflagentrend keinen Einzelverkauf mehr haben. Da das Kerngeschäft der Boulevard-Titel der Einzelverkauf ist, wird sich ihr Charakter in der Zukunft verändern oder ihre Zugehörigkeit zur Gruppe selber, so eine Option. Aber auch die Abo-Titel, wirtschaftlich nicht so getrieben, sind operativ unter Druck. Alle Schönrednerei von der Regionalisierungsstrategie zum Trotz: Bisher führt diese Inhalte-Strategie nicht zum nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Nur Dank der Beteiligungen an den Anzeigenblätter im Rheinland oder der Logistik in Sachsen-Anhalt schreiben sie keine Verluste. Aber „Cashcows“ sind sie im Kerngeschäft nicht. Das wäre künftig aber für die gesamte Gruppe von grundsätzlicher Bedeutung.

Was als sind die Schlussfolgerungen? DuMont trennt sich bei Print und Digital von den überregionalen Inhalten. Madsack wird die Nummer 1 unter den Mantel-Anbietern. Julia Becker, Aufsichsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, sprach Anfang April davon, dass die Vermarktung der Zentralredaktion jetzt ihre strategische Aufgabenstellung sei. Die dürfte mit der neuen Partnerschaft einen Dämpfer erfahren haben. DuMont bleibt Getriebener im Markt. Zu spät wurde neben dem Kauf des Bundesanzeigers ein neues wirtschaftliches Geschäftsfeld aufgebaut, wie es im vergangenen Jahr mit dem Erwerb des Unternehmens facelift und der Beteiligung an dem Unternehmen censhare erfolgte. Der Geschäftsführer dieser Beteiligung, Dieter Reichert, brachte das Dilemma der DuMont Mediengruppe treffend zum Ausdruck: „Je genauer wir Zielgruppen verstehen und adressieren können, und je mehr wir diesen Menschen relevante Angebote machen können, desto stärker bilden sich Communities. Stellen-Anzeigen aus Zeitungen gingen auf Anzeigen-Portale, um jetzt in Communities wie LinkedIn zu sein. LinkedIn, Twitter, aber auch Facebook, Instagram und youtube sind moderne Medienunternehmen. Produkt-Hersteller wie Autobauer sind auf dem Weg dazu. Content-Marketing ist einer der am stärksten wachsenden Umsatzbereiche, wenn es um Vermarktung von Inhalten geht. Von daher wird es immer Medien-Unternehmen geben. Ob aber der gesellschaftliche Auftrag mit einer ausgewogenen, die Demokratie unterstützenden Berichterstattung, noch mit den gewohnten Geschäftsmodellen zu finanzieren ist, stelle ich in Frage.”

Regina Breitengrad

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