Zur Zukunft des Berliner Zeitungsmarktes – DuMont mit Change-Managerin

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Am 13. Juni 2017 fand im Berliner Roten Rathaus eine Podiumsdiskussion zur Zukunft des Berliner Zeitungsmarktes mit den drei Chefredakteuren der großen regionalen Abo-Titel sowie dem stellvertretenden Chefredakteur von B.Z./Bild statt. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte zuvor auf 400 Jahre bewegte Zeitungsgeschichte Berlins verwiesen. Die derzeitige Situation betrachtet der gelernte Buchdrucker aber mit großer Sorge: Auflagen- und Anzeigenschwund, Konzentrationsprozesse wie bei Funke mit der Zentralredaktion, der Zusammenlegung von B.Z. und Bild Berlin oder die jüngsten Abbaumaßnahmen im Zusammenhang mit dem Newsroom für  Berliner Zeitung und Berliner Kurier. Sicher spiele dabei das veränderte Informationsverhalten eine Rolle. Müller betonte besonders die wichtige Rolle der Zeitungen und Journalisten für eine funktionierende Demokratie, deren Rolle er angesichts von Fakenews, Falschinformationen und persönlichen Beschimpfungen wie „Lügenpresse“ oder der Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei als gefährdet ansieht. 

Carsten Erdmann, Chefredakteur der Berliner Morgenpost, informierte darüber, dass sie noch vor der Sommerpause wieder die Bezirksberichterstattung im Blatt einführen wollen, zunächst nur für einen Bezirk. Lorenz Maroldt verteidigte die Strategie des „Tagesspiegels“. Für ihn sind die Printausgabe des Tagesspiegels, der kostenlose Newsletter „Checkpoint“ auch mit sublokalen Inhalt, nur ein Teil eines weiteren zielgruppenspezifischen Angebots in Berlin.

horizont schreibt. „Einig waren  sich Erdmann und Maroldt hingegen, dass es in den Redaktionen heutzutage mehr Spezialisten bedürfe. Maroldt sagte, die Idee des integrierten Newsrooms habe sich daher wohl verbraucht.“ Jochen Arntz, Chefredakteur des Berliner Newsroom, meinte, dass bei ihnen alles rund läuft, auch  die mentalen Unterschiede zwischen den beiden Redaktionen seien kein Problem. Von Teilnehmer/innen der Veranstaltung war zu hören, dass man von Jochen Arnzt eher wenig zu der künftigen Produktstrategie des Berliner Newsrooms zu hören bekam, Erdmann und Maroldt waren da sehr konkret. horizont greift das gute Klima im integrierten Newsroom offenbar noch einmal auf und schreibt, das in dem integrierten Newsroom  „dem Vernehmen nach gerade eine Change-Managerin ihre Arbeit aufgenommen hat, um die sich fremden Redakteure einander ressortweise näher zu bringen. Sie sollen im Austausch miteinander herausfinden, welche gemeinsamen Ziele sie verfolgen.“

Der Tagesspiegel schreibt über das Gespräch im Roten Rathaus, das Einigkeit unter den Chefredakteuren herrschte, dass „jede Zeitung, jedes Medienhaus muss seine eigene Strategie entwickeln“.

Auf die Frage der Moderatorin Dagmar Reim (ehemalige rbb-Intendantin), ob es in zehn Jahren noch eine gedruckte Zeitung geben werde, gab es unterschiedliche Bewertungen.  „Die Zeitungen, die es in zehn Jahren noch gibt, werden noch besser sein als die heute“, erklärte Jochen Arntz, Chefredakteur der „Berliner Zeitung“. … Etwas weniger euphorisch zeigte sich Carsten Erdmann, Chefredakteur der „Berliner Morgenpost“: „Die Zeitungen befinden sich in einer Konsolidierungsphase.“ Es sei schwierig in Zeiträumen wie zehn Jahren zu denken, sagte er mit Verweis auf das Smartphone. „In welcher Form und wie viele Zeitungen es in Berlin in zehn Jahren geben wird, ist darum sehr schwer vorherzusagen.“

„Es hat noch nie so viel Spaß gemacht, Journalist zu sein“, sagte Lorenz Maroldt – insbesondere in Berlin, einer der wichtigsten Städte der Welt. „Wir legen jetzt den Turbo ein, weil es so viele Sachen gibt, die man machen kann“, freute er sich mit Blick auf neue Projekte.“

Die Berliner Zeitung schreibt über den Abend im Roten Rathaus: „Eine Stunde lang diskutierten die Chefredakteure sehr kollegial. Sie waren sich einig darin, dass für alle, auch die Zeitung der Konkurrenz, in Berlin Platz ist und die Zeitung heute im Allgemeinen besser ist als vor zehn Jahren. Genau wie die Stadt. Ideen, wie es weitergeht, gab es viele. Konzepte, wie man damit Geld verdienen kann, die sind gefragt.“

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