2017 wird es für DuMont nicht leichter werden

2017 wird für die DuMont Mediengruppe kein leichtes Jahr werden. Der gewählte Weg der langfristigen Neuaufstellung beinhaltet die Gefahr, dass man auf – alte – und neue Herausforderungen seine immer gleichen Antworten im Namen einer Strategie gibt. Dazu gehörte z.B. der Aufbau eines externen Mandantengeschäftes. Das Call-Center-Unternehmen DuMont Dialog war so eine Wachstumsidee. Schnell hat man begriffen, dass man in diesem Markt keine Rolle spielt, also wurde verkauft. Oder die “digitale Transformation” der Redaktionen, die man als den Kern der “Perspektive Wachstum” bezeichnet hatte. Hier wurde nach dem Rauswurf von Robert von Heusinger 2016 ein neuer Weg beschritten, der um die Sanierung an den Standorten im ersten Halbjahr 2016 ergänzt wurde (Sonderprojekte). Im Spannungsfeld, die richtige Wegbeschreibung für die Gruppen gewählt zu haben, den Widersprüchlichkeiten der Märkte und dem Agieren der Akteure, wird sich zeigen, was richtig und was Täuschung ist, also korrigierte werden müsste. Die Darstellung von einer kontinuierlichen Entwicklung kann nicht greifen, da die Marktverhältnisse und Beziehungen widersprüchlich sind. Es findet ein umfassender Umbruch stattfindet, der sich nicht vom Papier zum Digitalen reduzieren lässt.

Die Printmedien prägen DuMont. Der Hauptumsatz der Gruppe ist bedrucktes Papier und deren Verbreitung bzw. Verkauf. Daran wird sich 207 nichts ändern. Von den beiden Nachfragemärkten Anzeigen und Vertrieb hängt die Betriebstemperatur der Gruppe ab – und die Finanzierung der Gesamtstrategie. Ein operativ nicht erfolgreiches Kerngeschäft sorgt für kommende Probleme, da man seinen Umbau nicht langfristig bezahlen kann. Die Anzeigenumsätze werden insgesamt weiter rückläufig bleiben, trotz Score Media oder Red Impact. Der Vertriebsmarkt wird durch anhaltende Auflagenrückgänge und gegenläufige Preiserhöhungen geprägt sein. Er wird sich nicht grundlegend positiv entwickeln. Bei den Boulevardtiteln wird man 2016 eine negative Vertriebs-Umsatzentwicklung vermelden, eine Trendwende steht für 2017 nicht auf der Tagesordnung. Es geht hier vor allem um Sanierungsbemühungen.

Die Online-Erlöse sollten steigen, aber im mobilen Geschäft fehlt bisher der große Erfolg, das traditionelle Display-Geschäft stagniert und wird keine Trendwende einläuten. Die lokale Digitalvermarktung wird steigen (müssen). DuMont spricht vom Registrierungsgeschäft bei seinen Online-Titel, nachdem man mit der Pay Wall auf der Nase gelandet war. Aber man wird abwarten müssen, was vermutlich in Berlin um die Ecke kommen soll. Die “digitale Agenda” für den Verlagsbereich von DuMont ist nur schwer auszuloten. Hier steht der Kauf von facelift 2016 und eine sinnvolle Neustrukturierung von DuMont Digital. Hier muss es zu weiteren Aufkäufen und Beteiligungen kommen. DuMont schweigt sich zu den Eckpunkten der “Digitalen Agenda” aus, was auch sinnbildlich für die Digital-Strategie stehen kann. Mit dem Projekt “Set the date” ist für einen kleinen Moment sichtbar geworden, wo die Reise von DuMont unter Dr. Christoph Bauer hingehen soll (“Wann ist man von Print unabhängig?”). Sicher ein langer Weg, es sei, man beschreitet den Weg der Portfoliobereinigung. Auszuschließen ist das nicht mehr.

Am 18. Januar 2017 will DuMont seinen Neujahrsempfang in Halle durchführen. Die neue – und bereits laufende – Druckmaschine soll offiziell in Anwesenheit des Ministerpräsidenten, Reiner Haseloff, in Betrieb genommen werden. Die Gewinner des DuMont Journalisten-Preises sollen bekannt gegeben werden und man wird wohl die ersten wirtschaftlichen Eckdaten des abgelaufenen Jahres 2016 verkünden. Wie üblich wird man sich auf dem Pfad der Perspektive Wachstum befinden.
Im Januar/Februar 2017 dürfte bei DuMont das Optimierungsprojekt für den Stadt Anzeiger und den Express vorgestellt werden. Die Inhalte-Produktion wird von der Inhalte-Erzeugung getrennt. Es wird in insofern inhaltlich nichts überraschendes mehr geben, sehr wohl, was den Umfang des Abbaus betrifft. Hier wurden Signale der Auseinandersetzungen in den letzten Wochen sichtbar. Spannend dürfte aber vor allem sein, wie der künftige Grundweg des Express aussehen soll. DuMont spricht zwar nur im Zusammenhang von Berlin und Hamburg von Herausforderungen, aber beim Express liegt auf Sicht die größte, wirtschaftlich wie strategisch, Herausforderung. Als Printprodukt bringt der Express wichtigen Umsatz, generiert für DuMont Bekanntheit über die Grenzen Kölns hinaus, aber seine Lebensdauer als gedruckte Ausgabe ist mehr als kritisch. Da die technischen Systeme für Print und Online nicht harmonisieren, wird  erst mit dem „Content Hub“ die medienneutrale Plattform geschaffen werden, die man benötigt, um das Produktionsmodell „Content-Erzeuger“ (Inhalte) und „Content-Produktion“ (Produktion) realisieren zu können. COMYAN bietet hier eine Lösung an.

Im Laufe des Jahres wird man den zentralen Verlagsservice von DuMont weiter neu aufstellen. Arbeitsplätze sind bedroht, auch in den regionalen Medienhäusern. Mit der produktiven Einführung eines neuen Verlags- und Anzeigensystems im ersten Halbjahr 2017 auf den Servern von Madsack wird ein neuer Optimierungsprozess eingeleitet. Der Druck aus den Märkten wird anhalten und nach neuen Lösungen suchen. Früher oder später wird der Verlagsservice nur in größeren Bezügen organisiert werden können. MZ Satz in Halle ist eine Geschäftsaktivität, die davon profitiert, dass man für viele Unternehmen seine Leistung anbietet und ausbaut. Das wird 2017 sicher fortgeführt werden.

Bis zum Sommer 2017 will man in Berlin neu starten. Die soziale Frage wird mit die nächsten Wochen in Berlin vermutlich klären. Danach kommt die Personalabwicklung am Berliner Standort, die sich über das erste Halbjahr 2017 strecken dürfte. Die Frage der Kooperation in Berlin zwischen Funke, DuMont und DvH Medien wird sichtbar werden, also wie künftig das Anzeigen- und Vertriebsgeschäft organisiert wird und ob es sich nur um ein Berliner Projekt handelt. Da Fiege Logistik als vierter Partner im Bereich der BZV Zustellgesellschaft klar ist, wird man mit einem neuen Geschäftsfeld Logistik zu rechnen haben. Für Köln ist es avisiert. Die Abwicklung des Personalabbaus in Berlin lässt aufhorchen, hier wird zwar mit der Axt agiert, aber dennoch sucht man sozialverträgliche Lösungen. Die Gesamtaufstellung der Arbeitnehmer in der Gruppe hat Spuren hinterlassen.

Wie alle Zeitungsgruppen muss sich auch DuMont auf neue Rahmenbedingungen einstellen und baut schrittweise um. Dringend müssen neue Geschäftsfelder auf- und ausgebaut werden. Im bisherigen Kerngeschäft wird man weiter optimieren und auf die Mehrfachverwertung sowie die Regionalität setzen. Neue Bündnisse mit Marktteilnehmern entstehen. Da die Konsolidierungsphase im Zeitungsmarkt einen längeren historischen Zeitraum umfasst, wird man nicht sagen, dass 2017 die Wende gebracht hat. 2016 wollte man vom begonnenen Umbau profitieren und sich erfolgreich dem Markt stellen. Daraus ist weniger etwas geworden. Aufsichtsrat und Vorstand wollten zweimal im Jahr durch die Standorte touren. Daraus ist auch nichts geworden. Blickt man weiter zurück, so war DuMont auf einem gefährlichen Weg und befand sich in Richtung Krise. Hier sind wesentliche Punkte unter dem neu Vorstand verändert worden, aber ob das reicht wird man später sehen.

2017 wird für DuMont ein teures Jahr werden, da man massiv Personal in der Summe an allen Standorten abbauen wird. 2017 wird ein rotes Ergebnisjahr in Berlin werden, wenn man die Aussagen von Aufsichtsratsmitglied Kilz zum Berliner Vorgehen interpretiert. Er sprach von schwarzen Zahlen erst 2018 in Berlin. Sollte es einen 25-prozentigen Stellenabbau in Hamburg geben, dürfte dies zu roten Zahlen 2017 führen. Auch in Köln dürfte das Ergebnis des Medienhauses Rheinland erhebliche Belastungen erfahren, die dank der Anzeigenblätter-Beteiligung aber anders wirken, wenn man die anstehenden Optimierungsprojekte von Stadt Anzeiger wie Express und der Vermarktungstochter MVR betrachtet. Klar ist aber auch: Zum jetzigen Grundweg gibt es kaum eine Alternative, es sei, man beschreitet den alten Kurs, der in die Unternehmenskrise führen dürfte.

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