DuMont übernimmt facelift zu 75 Prozent – für mehr als 55 Mio. Euro

Die DuMont Mediengruppe übernimmt 75 % der Anteile von Facelift. Die Erwerb steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes. Nach Medienangaben soll der Kaufpreis bei mehr als 55 Mio.€ liegen. Mit dem Kauf ist DuMont nach dem Erwerb des Berliner Verlages 2009 wieder als Aufkäufer in größeren Maße aktiv, diesmal allerdings im digitalen Geschäftsbereich und nicht mehr um journalistischen Bereich bzw. Print. DuMont baut ein eigenständiges digitales Geschäftsfeld auf und erwartet davon einen Eintritt in eine profitable Wachstumsphase.Der Zukauf sei „eine ideale Erweiterung des Portfolios, zumal das Geschäftsmodell Software-as-a-Service ein außerordentlich attraktives Zukunftsfeld für DuMont ist“, betont Patrick Wölke, Geschäftsführer DuMont Digital.Bisher hatte sich die Gruppe in diesem Geschäftsfeld nicht erfolgreich betätigt. Man darf mit weiteren Aufkäufen rechnen.

Facelift ist ein Anbieter für Social-Media-Marketing-Software in Europa und vermarktet mit seinem Kernprodukt Facelift Cloud eine SaaS-Lösung, d.h. die Kunden  nutzen das Angebot über das Web. Zur Facelift-Gruppe (www.facelift-bbt.com) gehören rund 200 Mitarbeitern in fünf Gesellschaften in Deutschland und Frankreich sowie in Dubai. Über 1.200 Kunden nutzen nach Unternehmensangaben die Software über den Facelift Cloud. Hier ein Video, um was es bei dem Produkt inhaltlich geht. Nach der letzen veröffentlichten Bilanz (2014) lag der Jahresfehlbetrag bei – 2,359 Mio. €. Der Gewinnvortrag lag bei + 0,524 Mio. €.

Digitalgeschäft trägt bisher nicht selber
In den digitalen Geschäftsfeldern kann man bei DuMont zufrieden über die Reichweiten der Online-Auftritte von express.de und mopo.de sein. Die gesamte Reichweite von DuMont wird stark durch deren Reichweite beeinflusst. Aber die Umsätze dürften in der Summe nicht dazu führen, dass sich die Auftritte alleine tragen. Führt man sich den Umbauprozess einer gemeinsamen Print- und Online-Produktion vor Augen, wie das Unternehmen sich ständig korrigiert hat, dann sind das alleine eher keine tragfähigen Szenarien für die Zukunft. Der Display-Verkauf läuft, aber hier wird nicht mehr mit großem Wachstum gerechnet, das regionale Online-Geschäft wächst und berlin.de ist ein Beleg für eine erfolgreiche nur digital agierende Marke. Man setzt in Zukunft auf neue Werbeformate wie den Ausbau von Native Ads. Der Verkauf von digitalem Content ist keine reale Option, wenn man einmal von den ePaper Erlösen absieht. Zwar tourt DuMont Digital durch die Republik und versucht den Eindruck zu erwecken, man ist bereits auf dem Weg zu „Big Data”, aber faktisch sind das reine Analyse-Auswertungen über das Nutzerverhalten. Es geht noch gar nicht um den gewerblichen Nutzen der Kundendaten und deren Klickverhalten.

Neue Ausrichtung im Digitalgeschäft
Jetzt beschreitet DuMont den Weg über den Kauf eines reinen Digitalunternehmens, das wenig mit ursprünglichem Content-Geschäft  zu tun hat. Der Einstieg in Facelift kann man auch als Art Richtungsentscheidung verstehen, wo die weitere Reise bei DuMont hingeht. Wie andere Unternehmen, wächst man im Digitalbereich. Bereits über 50 Prozent der Kauf-Investitionen gehen in dieses Geschäftsfeld in Deutschland.

Es ist bezeichnend, dass gerade kurz vor dem Kauf von Facelift eine Meldung im Handelsblatt erscheint, dass bei DuMont ein Projekt unter der Bezeichnung „Set the day“ läuft. Dabei geht es um die Unabhängigkeit der Mediengruppe von Print. Es kann kein Zufall sein, dass einige Tage später der Kauf von Facelift vermeldet wird.

Eine content-getriebene Zukunftsstrategie, die sich rechnet, fällt DuMont schwer. Aus Existenzgründen ist es eine gute Sache, dass DuMont wieder wächst und sich in neue Geschäftsfelder bewegt bzw. diese ernsthaft ausbaut. Solche Aktivitäten wie die Beteiligung an den Pleitesender Joiz oder dem Inhalte-Anbieter popula bieten eher keine Perspektive.

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