Wie halte ich es mit einer Bewerbung bei der Berliner Newsroom GmbH?

ausschreibungDer Betriebsrat der Berliner Zeitung/Berliner Kurier, antwortet auf verschiedene Fragen, ob man sich bei der Berliner Newsroom GmbH bewerben und auf was man achten sollte. Auch wenn der Betriebsrat sicher ist, dass er sich mit seiner Position des „Betriebsübergangs“ durchsetzen wird, stellen sich jetzt den Redakteuren praktische Fragen, die man als Betriebsrat auch aussprechen sollte.  Jeder muss für sich entscheiden, was er macht, so die Haltung. Wenn man es macht, sollte sich jeder der Punkte bewusst sein, die das neue DuMont-Unternehmen bei einem Nicht-Betriebsübergang kassieren kann und worauf man achten sollte. Hier der Wortlaut des Anschreibens an die beiden Redaktionen:

Liebe Kolleginnen und Kollegen

seit Freitag werden sowohl betriebsintern als auch extern Stellen für die neue „Newsroom GmbH“ ausgeschrieben. Als Betriebsrat haben wir bereits erklärt, dass wir den Umzug der Redaktionen als klassischen Betriebsübergang verstehen, und wir sind zuversichtlich, dass wir uns damit am Ende durchsetzen werden. Garantieren können wir es aber nicht. Unter diesen Umständen muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich für eine der ausgeschriebenen Stellen bewirbt oder nicht; jeder muss selbst beurteilen, ob er sich mit dem neuen Konzept identifizieren kann oder nicht, und ob er sich der absehbaren weiteren Arbeitsverdichtung gewachsen fühlt oder nicht.

Als Betriebsrat sind wir keine Rechtsberatung. Wir haben hier lediglich für diejenigen, die sich bewerben, einige Ratschläge zusammengefasst – nicht zuletzt auch für den Fall, dass entgegen unseren Erwartungen die bisherigen Tarifverträge künftig nicht mehr gelten sollten:

  • Bewerbt Euch nur um Stellen, auf denen Ihr wirklich bereit wäret zu arbeiten. Alles andere ist Verschwendung von Zeit und Energie.
  • Verkauft Euch nicht unter Wert. Gute Arbeit hat ihren Preis, das weiß auch das Unternehmen. Wenn man Euch will, wird man Euch auch nehmen. Die neue Gesellschaft ist kein Dumping-Projekt, hat man uns gesagt. Nehmen wir die Geschäftsführung beim Wort.
  • Vergleicht genau, wenn man Euch ein bestimmtes Gehalt anbietet. Nicht das Geld, das einmal im Monat auf Eurem Konto landet, ist maßgeblich, sondern der bisherige Jahresbetrag: Mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Mit Sonntagszuschlägen. Mit vermögenswirksamen Leistungen. Ohne Tarifvertrag hättet Ihr auf nichts davon in Zukunft noch einen Anspruch. Die entsprechenden Beträge müssen also dem Grundgehalt zugeschlagen werden.
  • Denkt an das Presseversorgungswerk. Den meisten ReGe2-Kollegen wird es schon jetzt vorenthalten, für die anderen Redakteure aber zahlt bisher der Arbeitgeber zwei Drittel der Beiträge. Auch dieses Geld steht Euch zu, wenn das Unternehmen zu seinem Wort steht.
  • Laut Haustarifvertrag beträgt die Arbeitszeit von Redakteuren wie Angestellten bisher 39 Stunden. Die Geschäftsführung will sich „an den Manteltarifvertrag anlehnen“, was immer das heißen mag. Er sieht 36,5 Stunden für Redakteure und 35 Stunden für Angestellte vor. 40 Stunden will das Unternehmen verlangen. Es hat dafür einen Ausgleich in Aussicht gestellt. Nehmen wir das Unternehmen auch hier beim Wort.
  • Achtet auf die neuen täglichen Arbeitszeiten. Es wird Schichtarbeit geben, auch sie ist regelbar. Kauft nicht die Katze im Sack.
  • Für die Begrenzung der Zahl von Wochenenddiensten gibt es bisher tarifliche Regelungen, für Arbeit an Sonn- und Feiertagen ein Antrittsgeld. Lasst Euch beides garantieren.
  • Lasst Euch die bisher geltende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ab der 7. Woche im Vertrag festschreiben.
  • Besteht darauf, dass man Eure Jahre der Betriebszugehörigkeit anerkennt. Jawohl, das geht auch bei einem Wechsel in ein vermeintlich ganz neues Unternehmen, und:  Nein, selbst ein Nicht-Betriebsübergang wäre dafür kein Hinderungsgrund. Auch die einstigen FR-Kollegen haben bei ihrer Einstellung in Berlin nicht auf die Anrechnung ihrer Betriebszugehörigkeit in Frankfurt verzichten müssen. Sollten sie jetzt gekündigt werden, haben sie damit wenigstens Anspruch auf die Kündigungsfristen, die ihnen zustehen. Auch im Falle zukünftiger Abfindungsberechnungen ist die Betriebszugehörigkeit immer der entscheidende Faktor.
  • Es reicht nicht aus, Euch zusichern zu lassen, dass für den neuen Vertrag keine Probezeit gilt. Laut Kündigungsschutzgesetz greift der der gesetzliche Kündigungsschutz erst nach 6 Monaten. Besteht deshalb auf einer Formel im Vertrag: „Auf das  Arbeitsverhältnis finden die Vorschriften des Kündigungsschutzgesetzes vom ersten Tag an Anwendung.“

Es gibt noch zahlreiche weitere Rechte, die Euch bisher laut Tarifvertrag zustehen: Sonderurlaub, die Bezahlung von Mehrarbeit und vieles mehr. Als Betriebsrat werden wir alle diese Punkte bei der (alten) Geschäftsführung ansprechen und darauf drängen, dass die arbeitsvertraglichen Rechte der in die Newsroom GmbH wechselnden Mitarbeiter erhalten bleiben. In jedem Fall raten wir, was wir immer schon geraten haben: Unterschreibt keinen neuen Vertrag, bevor Ihr nicht Beratung eingeholt habt – beim Betriebsrat und gegebenenfalls bei einem Rechtsbeistand.

Und wer in dieser Situation eine Chance auf eine andere Stelle außerhalb dieses Hauses hat und sie nutzt – auch ihm bieten wir an: Redet zuerst mit uns, bevor Ihr von Euch aus eine Kündigung einreicht oder einen Aufhebungsvertrag unterschreibt. Wer so lange und mit so viel Einsatz für dieses Unternehmen tätig gewesen ist, hat auch ein Recht darauf, dass das Unternehmen zum Abschied seine Arbeit noch einmal würdigt.

Euer Betriebsrat

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