VOR UNS ALLEN LIEGEN WICHTIGE TAGE UND WOCHEN

tageDie Betriebsräte am DuMont-Standort Berlin haben gemeinsam über die neue Lage nach der Verkündigung des massiven Stellenabbaus in der vergangenen Woche beraten. Wir haben darüber gesprochen, was wir jetzt zusammen tun können und tun müssen.

Betroffen von den neuen Plänen der Geschäftsführungen sind wir alle am Standort Berlin:

  • Vor allem natürlich diejenigen, die (zunächst in den Redaktionen und in der IT) entlassen werden
  • Aber auch diejenigen, die im engen Newsroommit drastisch reduziertem Personal zwei Zeitungen sowie Internet-„Content“ produzieren sollen: 18 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche. Die daraus resultierenden  Arbeitsbedingungen gehen im Zweifel zu Lasten der Nerven und der Gesundheit der Beschäftigten.
  • Und diejenigen aus den Verlagsbereichen und Vermarktungsbereichen,  die aufgrund von Kartellrechtsänderungen zu Kooperationen oder aufgrund weiterer Synergieprojekte erst später betroffen sein könnten. Genauso wie die 50 Kollegen unserer Callcenters DuMont Dialog, die ohne Beschäftigungsgarantie verkauft werden.

Dass vieles anders werden musste in unserem Haus, wussten wir seit langem. Wir haben oft genug darauf gedrängt. Dass diese Umgestaltungen verschleppt wurden, lag nicht an den Belegschaften. Sie haben seit vielen Jahren immer wieder ihre Vorschläge unterbreitet.

Ein Beispiel, um dies zu verdeutlichen: Das erste in sich geschlossene Online-Konzept für die Berliner Zeitung wurde von der Redaktion selbst bereits zur Zeit der Heuschrecken entwickelt. Dass wir heute immer noch die absurde Situation haben, dass Online und Print aus tariflichen Gründen getrennte Einheiten sind, haben nicht die Redaktionen zu vertreten.

Wenn jetzt Vorstände und Geschäftsführer erklären, so wie bisher gehe es nicht weiter, und wir hätten die Entwicklungen verschlafen, dann sprechen sie vor allem über ihre eigene mangelhafte Arbeit. Über all die Dinge, die sie längst hätten tun können und tun müssen. Und die sie nicht getan haben. Über die nicht vorhandenen unternehmerischen Ideen, um ein neues Finanzierungsmodell für unsere Publikationen zu entwickeln. Wie groß war nach dem Ende der Heuschrecken das Vertrauen in den damals noch klangvollen Namen DuMont! Heute,  nach der Insolvenz der Frankfurter Rundschau, die vor allem auf Kosten der dortigen Belegschaft ging,  und dem Rausschmiss der alten Abendblatt-Redaktion, nach etlichen Wechseln in der Kölner Unternehmensführung und den jetzt anstehenden Massenentlassungen in Berlin drängt sich der Eindruck auf: DuMont kann es nicht.

Gewiss: Eine Orientierung auch unseres Medienhauses auf die neuen Realitäten, auf schrumpfende Anzeigenmärkte, sinkende Abonnentenzahlen, ein verändertes Leseverhalten, auf die neuen Medien ist tatsächlich alternativlos. Das WIE aber ist nicht alternativlos.

Keine Kollegin, kein Kollege hat es verdient, dass seine Leistung so respektlos zur Seite geschoben wird, wie es jetzt in der IT und in den Zeitungsredaktionen geschieht und wie es sich in einer Reihe von Verlagsbereichen anbahnt.

Es werden Millionensummen in das neue Gebäude, in neue Technik und nicht zuletzt in den rücksichtslosen und kaltherzigen Rauswurf von Arbeitnehmern gesteckt. Diese Millionen kann man anders verteilen und damit den Umbau am Berliner DuMont-Standort sozialer gestalten. Dafür werden wir uns einsetzen. Wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen und um jeden Cent Abfindung für diejenigen, die am Ende ausscheiden werden. Und wir werden für humane Arbeitsbedingungen in der Newsroom GmbH eintreten.

Wir, die Belegschaften und ihre Betriebsräte, beharren auf den Unternehmensgrundsätzen, die der Konzern missachtet: Wir fordern Respekt, wir fordern Verantwortung, wir fordern echte Mitbestimmung. Und wir lassen uns von DuMont nicht täuschen. Was uns als „Neuanfang“ verkauft wird, ist nichts anderes als die leicht modifizierte Fortsetzung der jetzigen Zeitungsproduktion, nur dass die Ressorts in „Teams“ umgelabelt wurden. Das sind juristische Winkelzüge des Unternehmens, um den offensichtlichen Betriebsübergang, der den betroffenen Mitarbeitern weit größere soziale Rechte als der „Neuanfang“ zugesteht,  auf Biegen und Brechen zu verhindern. Wir Betriebsräte werden dagegen auf dem geltenden Recht beharren.

Die kommenden Wochen und Monate sind wichtig für unser aller Zukunft. Wir bitten euch daher: Kommt zu unseren Informationsveranstaltungen und engagiert euch vor allem  als Gewerkschaftsmitglieder im Aktionsausschuss von ver.di und DJV, damit wir Forderungen für einen Sozialtarifvertrag aufstellen können und sie, falls notwendig, auch mit legalen Arbeitskampfmaßnahmen durchsetzen können.

Wir halten euch in den vielen konkreten Fragen, die jetzt anstehen, weiter ständig auf dem Laufenden und bitten euch, umgekehrt auch die Betriebsräte über eure wichtigen Erkenntnisse und Entwicklungen beim Arbeitsplatzabbau zu informieren.

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