Zitate-Sammlungen zu Berlin

bauerdumont.pngIm Vorfeld der kommenden Woche wollen wir einige Zitate der Unternehmensverantwortlichen der DuMont Mediengruppe im Zusammenhang mit dem Berliner Verlag in Erinnerung rufen und haben sie Oberthemen zugeordnet.  Die Interviews* sind eher nicht beiläufig geäußert worden. Sie wurden platziert, um eine Geschichte über die kommende Entwicklung von DuMont zu erzählen. Manchmal sind sie auch einfach nur Reflektion einer Debatte in DuMont und wir haben uns auch etwas ausgesucht, was man nicht weiter verfolgt hat.

Wo geht die Reise im Zeitungsmarkt langfristig hin, wo in Berlin?

Dr. Christoph Bauer: Es ist sehr schwer abzuschätzen, welche Konstellationen sich da in Zukunft ergeben werden. Ich sage: die nächsten Jahre sind wir groß genug. Die Frage ist, was langfristig passiert. Wir zentralisieren ja schon heute – jeder für sich – unsere Dienstleister und Services. Irgendwann stellt sich die Frage, warum man das nicht gemeinsam macht. Ich gehe davon aus, dass wir in zehn, 15 Jahren noch drei, vier große Regionalzeitungsgruppen in Deutschland haben werden.

CB: Wir haben uns lange überlegt: Was machen wir in Berlin? Die Schließung war auch eine Option, das muss man offen sagen. Aber wir haben uns mutig für den schwierigeren Weg entschieden, Berlin ist auch als Standort für DuMont wichtig. Wir ziehen zum Jahreswechsel um, das ist auch psychologisch wichtig, weil das derzeitige Gebäude am Alexanderplatz für die künftige Arbeitsweise ungeeignet ist. Wir glauben, dass wir aus uns selbst heraus profitabel wirtschaften können, aber nicht langfristig. Da müssen wir uns nichts vormachen. Langfristig funktioniert das nur, wenn wir mit der „Morgenpost“ und dem „Tagesspiegel“ im Verlagsbereich kooperieren.

CB: … wir sprechen mit Funke über verschiedene Themen. Aber wir führen keine Verkaufsverhandlungen über nennenswerte Unternehmensteile. Weder mit Funke noch mit sonst irgendwem. Allein die Spekulation zeugt von viel Unkenntnis. Wir sind angetreten, das Unternehmen von Grund auf neu auszurichten. Alles, was wir tun, ist langfristig ausgerichtet.

Um was geht es in konkret in Berlin?

CB: Die Verlage haben nach der Wende viele Fehler gemacht. Der Markt ist zu stark über Prämien sozialisiert, das hat zu hohen Marketingaufwendungen geführt. Ich frage mich manchmal, wer in Berlin überhaupt noch ein Abo wegen der Zeitung abschließt. Dennoch haben die drei großen Abozeitungen zusammen in Berlin nur eine halb so hohe Abdeckung wie viele Regionaltitel in mittelgroßen Städten allein.

Christian DuMont Schütte: Der Berliner Zeitungsmarkt ist für alle Beteiligten schwierig, für die Berliner Morgenpost, für den Tagesspiegel, für uns mit derBerliner Zeitung und dem Berliner Kurier und auch für Springer mit der Bild-Zeitung, der BZ und der Welt. Eine Lösung, die es allen leichter machen würde, wäre eine Zusammenarbeit beispielsweise in der Technik, beim Anzeigenverkauf und in der Buchhaltung – also überall, nur nicht im Publizistischen, die Redaktionen müssen unabhängig bleiben.

CDS:  Nein, wir wollen nicht an der journalistischen Qualität sparen. Wir prüfen vielmehr, wo wir dank neuer Technologien und kreativer Modelle sparen können.

Wie steht es um die Berliner Zeitung?

CB: Ohne die Mehrbelastung durch den Mindestlohn hätte die „Berliner Zeitung“ in diesem Jahr eine schwarze Null geschrieben. So aber treten wir auf der Stelle. Das bringt uns als Gruppe nicht in Schieflage, aber wir können langfristig nicht dulden, dass wir bei rückläufigen Erlösen in der Verlustzone stecken.

Gibt es eine Wachstumsstrategie in Berlin?

CB: Mit dem Printgeschäft sind wir zufrieden. Aber wir setzen auch da natürlich auf die Digitalisierung.

CB: Wir wollen Digitalagenturen für kleine und mittlere Unternehmen entwickeln. Noch verkaufen wir zu oft Marken und Plattformen. Künftig müssen wir Komplettlösungen anbieten. Mit Newslettern, Webseiten und allem Drum und Dran.

Wie ist das mit den Vertriebsumsätzen?

CB: Wir haben noch Preispotenziale, aber wir müssen weiter an den Produkten arbeiten. Deswegen investieren wir auch in unsere Newsrooms. Nicht weil wir damit sofort die Digitalerlöse steigern können. Wir haben etwa bei E-Papern noch Riesenpotenzial. Ich glaube, dass das Produkt noch nicht gut genug ist. Wir machen wunderbare Zeitungslayouts, aber das Nutzererlebnis von E-Papern ist teilweise noch katastrophal.

Wie ist das mit den Digitalerlösen?

CB: Paid Content ist für uns eine Positionierungsfrage. Es war nie der Anspruch, schnell signifikante Erlöse zu generieren, das kann man vergessen.

Eine besondere Beziehung zum Tagesspiegel?

CB: Ich finde gut, dass Herr Turner für die Gattung Tageszeitung kämpft. Wir haben uns entschieden, zurückhaltender zu bleiben. Ich wünsche mir aber, dass Herr Turner mit dem „Tagesspiegel“ großen Erfolg hat.

Wie steht es um die publizistische Strategie von DuMont?

Isabella Neven DuMont: Wir werden uns künftig als Herausgeber intensiver um publizistische Fragen kümmern und werden dazu einen Beauftragten der Herausgeber berufen, der für Publizistik zuständig ist und parallel zum Vorstand arbeiten wird.

CDM: Wir brauchen jemanden, der sich mit den publizistischen Herausforderungen befasst.

IND: Der Beauftragte soll vor allem dafür sorgen, dass unsere publizistische Qualität erhalten bleibt und neue publizistische Projekte vorangetrieben werden. Die sind durchaus von Region zu Region unterschiedlich, die Mitteldeutsche Zeitung hat sicher einen anderen Blickwinkel als die Berliner Zeitung.

IND: Er oder sie soll die Redaktionen unterstützen und das Bindeglied zwischen den Herausgebern und den Zeitungen sein. In allen publizistischen Aspekten berichtet der Beauftragte an uns, und wenn es operativ wird, an den Vorstand.

*Quelle:

kresspro vom 14.09.2016

Süddeutsche Zeitung vom 08.12.2015

 

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