DuMont Dialog vor dem Aus?

kbrddDer Konzernbetriebsrat der Mediengruppe Berliner Verlag beschäftigt sich in seinem aktuelle Info mit dem Geschehen um das Call-Center-Geschäft der DuMont Mediengruppe, insbesondere in Berlin. Es gibt Verkaufsverhandlungen mit walterservices über 50 Prozent und mehr, so die Darstellung. Die Sorge besteht, dass der Berliner Standort für die Call-Center geschlossen werden kann. DuMont will offenbar raus aus dieser vor kurzen noch als Wachstumsgeschäft dargestellten Geschäftsidee. Auf einer Betriebsversammlung bei DuMont Dialog in Berlin am Montag flossen erste Tränen. Hier das Info im Wortlaut:

Das Call-Center DuMont Dialog in Halle und Berlin wird auch im zweiten Jahr seines Bestehens rote Zahlen schreiben. 2015 sollen es  2 Millionen Euro Verlust gewesen sein, für 2016 wird nach Darstellung des Unternehmens mit einem Verlust von mehr als 1 Million Euro gerechnet. Jetzt droht nach Einschätzung des Betriebsrats von DuMont Dialog in Berlin die Schließung des Betriebes innerhalb kürzester Zeit. 50 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Dietmar Wallner, Geschäftsführer für den gesamten Medien- und Managementservice (MMS) von DuMont, wollte dies auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung am Montag zwar nicht ausdrücklich bestätigen. Er erklärte aber per Videoschaltung, er werde niemanden davon abhalten, sich bereits jetzt einen neuen Job zu suchen.

Die Konzernführung scheint entschlossen, sich von DuMont Dialog zu trennen. Auf dem bundesweiten Call-Center-Markt ist bei der Größe von DuMont Dialog kein Blumentopf zu gewinnen, mit den Preisen der Wettbewerber pro Anruf kann DuMont nicht mithalten. Nach dem aktuellen  Informationsstand des Konzernbetriebsrats will DuMont entweder mit dem Call-Center-Unternehmen Walter Services ein gemeinsames Unternehmen bilden und dabei möglichst mehr als die Hälfte der Anteile abgeben. Oder aber das Geschäftsfeld wird komplett aufgegeben.

Auf der Betriebsversammlung von DuMont Dialog in Berlin gestern flossen erste Tränen. Geschäftsführer Dietmar Wallner drückte sich immer wieder um eine klare Aussage, wie es um die Zukunft der Mitarbeiter stehe. Eine  Beschäftigungsgarantie für Berlin könne er nicht abgeben, sagte er. Man sei mit Walter Services noch immer im Gespräch. Der aus Halle zugeschalteten Personalchefin Kerstin Gase rutschte auf Nachfrage heraus: „Wir können dazu nichts sagen. Die Verkaufsverhandlungen führt die Geschäftsführung.“

Als DuMont 2014 seine “Perspektive Wachstum” verkündete, wurden die Call Center, die damals gutes Geld in die Kassen spülten, noch als Wachstumsfelder identifiziert. Der Berliner Dialog in Berlin und MZ-Dialog in Halle wurden ausgegliedert und zusammengefasst, in Berlin wurde zusätzlich noch DuMont Process für den Kunden Kabel Deutschland/Vodafone aufgebaut. „Die starke Marktorientierung zeigt sich exemplarisch bereits durch die erfolgreiche Arbeit der Call-Center in Halle und Berlin“, lobte sich DuMont im November 2014 in einer Presseerklärung selbst. Davon ist heute keine Rede mehr.

Es ist nicht die einzige jähe Wendung in der DuMont-Konzernstrategie. Die „Perspektive Wachstum“ entpuppt sich zunehmend als „Perspektive Schrumpfen“, wenn man sich die Pläne zur Verkleinerung der Hamburger MOPO-Redaktion, den Personalabbau beim Kölner Express und die absehbaren Veränderungen in der Berliner Verlagsgruppe ansieht. Der Internet-TV-Sender Joiz, den Vorstandschef Dr. Bauer im Januar 2016 in Berlin noch als ein Standbein im Digitalgeschäft der Unternehmensgruppe darstellte, hat Anfang des Monats Insolvenz angemeldet. Das in den Zeitungsredaktionen mit großen Erwartungen verbundene Projekt „Digitale Transformation“  ist Ende 2015 mit dem Rauswurf von Vorstand Robert von Heusinger praktisch gestoppt worden. Bei dem Umbau, der nun unter den Schlagworten „Redaktionsprojekt“ in Berlin beziehungsweise „agile Redaktion“ in Hamburg vorbereitet wird, geht es allem Anschein nach weniger um eine zeitgemäße publizistische Strategie als um eine klassische Sanierung auf Kosten der Beschäftigten. Zu alledem kommt nun noch die sich abzeichnende Abwicklung von DuMont Dialog hinzu.

Die Beschäftigten von DuMont Dialog, ob in Halle oder Berlin, verdienen mehrheitlich nur wenig mehr als den Mindestlohn, und sie arbeiten hart für ihr Geld. Die Verluste im Unternehmen laufen nicht so sehr in Berlin auf, wo die Kolleginnen und Kollegen seit zehn Jahren die Abonnenten von Berliner Zeitung und Berliner Kurier betreuen, neue Kunden werben und außerdem für Drittkunden wie die FAZ arbeiten, sondern vor allem in Halle. Verantwortlich für die Verluste sind aber ohnehin nicht die Arbeitnehmer, sondern die Geschäftsführungen. Sie haben mit Dumpingangeboten Aufträge herangeschafft, für die sie nie genügend Personal vorhielten. Nun werden die Unternehmen von der Last der auflaufenden Arbeit erdrückt.

Für eventuelle Abfindungen habe DuMont Dialog in seinem Etat bislang keine Rückstellungen gebildet, hat Geschäftsführer Wallner den Beschäftigten mitgeteilt. Es steht zu befürchten, dass das Unternehmen die Kolleginnen und Kollegen mit einem Minimal-Sozialplan abspeisen will. Der Konzernbetriebsrat versichert den Beschäftigten an dieser Stelle ausdrücklich seine Solidarität. Und er verweist auf die Gewerkschaften, die die Möglichkeit haben, einen Sozialtarifvertrag für das gesamte Medienhaus abzuschließen. Dieses soziale Netz stünde im Fall der Fälle für alle bereit – für Verlagsmitarbeiter, Redakteure und Call-Center-Mitarbeiter gleichermaßen.

Eure Betriebsräte

 

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