Betriebsrat Berliner Verlag: Droht eine neue Redaktionsgesellschaft und damit Ausgliederungen?

Der Betriebsrat des Berliner Verlages beschäftigt sich in seiner heutigen Info mit den möglichen Gründen der Verschiebung des Amtsantritts von Jochen Arntz als Chefredakteur der Berliner Zeitung. In einem Gespräch mit den beiden Geschäftsführern wollten sie nicht die Fragen des Betriebsrats beantworten, ob eine neue Gesellschaft für die Redaktionen gebildet werden soll. Der Betriebsrat sieht sich in der Aufgabe, die Redaktionen darüber zu informieren. Hier das Info im Wortlaut:

Die meisten von Euch werden bereits gelesen haben, was Uwe Vorkötter, der frühere Chefredakteur der Berliner Zeitung, gestern zur Zukunft unseres gesamten Verlagshauses veröffentlich hat (http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Berliner-Zeitung-Jochen-Arntz-wird-vorerst-nicht-Chefredakteur-143130). Die Gerüchte, die er beschreibt, sind nicht neu, sie kursieren seit Tagen. Der Betriebsrat hat deshalb gestern Nachmittag bei der Geschäftsführung vorgesprochen und um Aufklärung gebeten,

– ob es stimmt, dass Berliner Kurier, Berliner Zeitung und ihre Online-Auftritte künftig außerhalb der bestehenden Unternehmen und Betriebe in einer völlig anderen Gesellschaft produziert werden sollen, und

· ob es stimmt, dass dies ohne Betriebsübergang stattfinden soll. Letzteres würde bedeuten, dass jede Kollegin, jeder Kollege sich individuell darum bewerben müsste, für die neue Gesellschaft arbeiten zu dürfen, und wer nicht genommen würde, würde entlassen – ohne Sozialauswahl. Ziemlich genau so, wie bei uns im Haus vor vier Jahren die alte Abendblatt-Redaktion entlassen und durch eine komplett neue Redaktion mit deutlich niedrigeren Gehältern ausgetauscht wurde. 20 Kolleginnen und Kollegen verloren damals ihren Arbeitsplatz.

Wir haben beiden Geschäftsführern in einem längeren Gespräch dargelegt, warum wir denken, dass die Belegschaften schon jetzt und nicht erst Ende Oktober Anspruch darauf haben, diese Fragen beantwortet zu bekommen. Auch danach hielt die Geschäftsführung daran fest, dass sie zu diesen Fragen keinerlei Kommentar abgibt.

 Machen wir uns unseren Reim darauf.

Für die Berliner Zeitung schrieb vor drei Jahren die damalige Chefredakteurin ein paar Sätze, die – tauscht man die Zeitungsnamen aus – in gleicher Weise auch für den Berliner Kurier gelten. Das Besondere an der Zeitung, schrieb Brigitte Fehrle, „sind die Menschen, die sie machen“. Und weiter: „Ohne ihre Leidenschaft, ihre Hartnäckigkeit, ohne ihre Liebe zur Stadt, ohne ihre Erfahrung, ihre Kenntnisse, ihre Macken und Eigenheiten wäre die Zeitung ein kaltes Produkt.“

Als Betriebsräte ist es unsere Aufgabe, uns auf alle denkbaren Szenarien einzustellen, uns juristisch sachkundig zu machen und gemeinsam mit Euch und mit Unterstützung der Gewerkschaften Pläne zu entwickeln, wie soziale Härten von den Belegschaften abgewendet werden können. Das tun wir. Jedem Einzelnen raten wir, was wir auch schon früher geraten haben: Kümmert Euch um Euren Rechtsschutz, nutzt den Schutz, den Euch eine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft bietet.

Und vergessen wir nicht in den Auseinandersetzungen, die wir jetzt zu bestehen haben: Die Berliner Zeitung, der Berliner Kurier, das sind wir. Ohne uns würde es unsere Zeitungen heute nicht geben. Ohne uns wird es sie auch morgen nicht geben.

Euer Betriebsrat

 

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