DuMont will gruppenweite Mitarbeiterbefragung einführen

kbr2009Die DuMont Mediengruppe will für die künftige Personalentwicklung jährliche Mitarbeitergespräche gruppenweit durchführen. Dies soll an Hand eines Fragenbogens erfolgen. Kriterium für diesen Fragebogen ist ein so genanntes Kompetenzmodell. Das Unternehmen legt für sich fest, welche Kernkompetenzen Mitarbeiter mitbringen oder entwickeln müssen, damit es seine Ziele erreichen kann. Darauf beruhend soll dann die Personalentwicklung betrieben werden. Das bisher zufällige und willkürliche System auf Basis einer nicht mehr erfolgreichen Unternehmensstrategie soll geändert und strukturiert betrieben werden. Beides, Personalentwicklung und Befragung der Mitarbeiter ruft die Betriebsräte auf den Plan. Hier das KBR-Info.

Worum geht es?

Konzernweit wollen die Geschäftsführungen mit einem elfseitigen Fragebogen die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ermitteln. Dabei wird DuMont von der Beraterfirma Kienbaum begleitet. (www.kienbaum.de) Die jeweiligen Vorgesetzten sollen alljährlich mit ihren Untergebenen standardisierte Mitarbeitergespräche führen. Bis zu acht Kompetenzen der Kollegin oder des Kollegen sollen eingeschätzt werden, zwischen einem und vier Punkten sollen jeweils vom Vorgesetzten verteilt werden. Der oder die Befragte soll dann noch bestätigen, dass alles seine Ordnung hat, und dann soll der Fragebogen in die Personalakte eingehen.

Welche Kompetenzen interessieren das Unternehmen?
Beurteilt werden soll unter anderem, ob der Beschäftigte „in wirtschaftlichen Bezügen denkt“ und „auf die mit seinem Handeln verbundenen Kosten achtet“. Ob er seine Aufgabe „als Beitrag zur Erreichung der gesamtunternehmerischen Zielsetzungen versteht“. Ob er „Verantwortung für die Konsequenzen seiner Entscheidungen übernimmt“. Ob er „Veränderungen als Herausforderung und als Chance begreift“. Ob er „Synergien in der Zusammenarbeit erkennt und nutzt“. Und so weiter und so fort.

Wozu soll das gut sein?
Nach Darstellung des Unternehmens sind diese Gespräche ganz im Sinne des Mitarbeiters. Es komme zu einer „systematischen Identifizierung des Entwicklungspotenzials der Mitarbeiter und daraus resultierend zu einer besseren individuellen Förderung”. Jeder Mitarbeiter könne so seine Entwicklungspotenziale erfahren und Qualifizierungsmöglichkeiten aufgezeigt bekommen. “Die Mitarbeiter erhalten durch transparente Anforderungen in den Kompetenzen Orientierung hinsichtlich ihrer Entwicklungsmöglichkeiten.”

Wo stehen die Betriebsräte?
Die Potenziale der Kolleginnen und Kollegen zu erschließen und für den Erfolg des Unternehmens nutzbar zu machen – dieses Ziel teilen die Betriebsräte natürlich. In den letzten Jahren haben wir allerdings viele ernüchternde Erfahrungen gemacht. Weiterbildungsangebote des Unternehmens wie in früheren Zeiten gab es in den meisten Betrieben schon sehr lange nicht mehr. „Sparen, bis es quietscht“, hätte Klaus Wowereit dazu gesagt.
Wenn in solchen Mitarbeitergesprächen wirklich ein ehrlicher Austausch möglich sein soll, wäre dafür ein starkes Vertrauensverhältnis zwischen den Beteiligten die Grundvoraussetzung. Das aber ist, wie wohl jeder bestätigen wird, keineswegs überall im Hause gegeben.

Unser Vorstandsvorsitzender, Herr Dr. Bauer, hat uns zu Jahresbeginn „schmerzhafte Einschnitte“ angekündigt. Kress zitierte ihn in der vergangenen Woche mit den Worten: „In diesem Jahr und im kommenden Jahr werden wir weiter die Kosten anpassen müssen.“ Wir haben gelernt, solche Worte zu übersetzen mit: Es sollen Arbeitsplätze abgebaut werden, und das nicht zu knapp.
Was sollen Mitarbeitergespräche zu diesem Zeitpunkt bewirken? Soll etwa anhand von vermeintlich objektiven Kriterien aussortiert werden, wer aus Sicht der Vorgesetzten ein „Leistungsträger“ ist und wer nicht? Und wenn ein Mitarbeiter für besonders fähig befunden wird, seine Abteilung aber geschlossen werden soll: Bekommt allein er dann einen Ersatzarbeitsplatz, und an seiner Stelle wird jemand anderer entlassen, auf dessen Fragebogen zwei Kreuzchen weniger stehen?

Die einzelnen Betriebsräte werden intensiv und umfassend darüber beraten, wie sie auf das Anliegen der Arbeitgeberseite reagieren und welche eigenen Vorschläge sie machen können, wie die Personalentwicklung bei uns im Hause vorangetrieben werden kann. Wir stehen nicht unter Zeitdruck: An erster Stelle steht jetzt der geplante Neustart in Berlin, und ohne die ausdrückliche Zustimmung der Arbeitnehmervertretungen sind dem Arbeitgeber nach dem Betriebsverfassungsgesetz solche strukturierten Mitarbeitergespräche nicht erlaubt. Eine Veranstaltung, bei der wir befürchten müssen, dass sie zur Disziplinierung der Kolleginnen und Kollegen genutzt wird, ist mit den Betriebsräten mit Sicherheit nicht zu machen.

Eure Betriebsräte

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Ein Kommentar zu “DuMont will gruppenweite Mitarbeiterbefragung einführen

  1. Naja, alles schon gehabt, wenn man es ernst nimmt. Vor allem als nächster Vorgesetzter. Da die meisten jedoch an ihre Pfründe dachten, waren die Mitarbeitergespräche nicht sehr erfolgreich. Schauen wir mal, was es Neues gibt. Bekanntlich wird das Rad nicht neu erfunden.

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