Brennpunkt Berlin: Was wird aus dem Vertrieb des Berliner Verlages

kbr07092016Der ehemalige Vertrieb des Berliner Verlages wurde 2015 in eine eigene GmbH ausgegliedert, die BVZ Lesermarkt GmbH. Wie geht es mit ihm weiter, wo doch die drei regionalen Abo-Titel in Berlin immer wieder betonen, dass hier die größte Schnittmenge in einer möglichen Kooperation bestehe. Der Konzernbetriebsrat der Mediengruppe des Berliner Verlages geht dieser Frage nach. Hier das Info im Wortlaut:

In der vergangenen Woche hatten wir über den Umbau von DuMont Systems berichtet, über die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer in der IT und die Folgen für die Kolleginnen und Kollegen in anderen Betrieben des Hauses. Heute wollen wir uns mit dem Vertrieb/Marketing beschäftigten, der seit anderthalb Jahren den Namen BVZ Berliner Lesermarkt GmbH trägt. Die Zukunft der Arbeitsplätze dort ist extrem gefährdet, und das hat viel zu tun mit der für diesen Herbst geplanten Reform des bundesweiten Kartellrechts. Aber eines nach dem anderen:

17 Kolleginnen und Kollegen arbeiten heute in der ehemaligen Abteilung Vertrieb/ Marketing des Berliner Verlages. Die Abo-Zustellung selbst erfolgt bekanntlich über eine gemeinsame Firma von Berliner Morgenpost, Tagesspiegel und Berliner Verlag, die „Berliner Zustell- und Vertriebs- gesellschaft für Druckerzeugnisse  GmbH“, abgekürzt BZV.  Der Lesermarkt aber leistet alle Vor- und Nacharbeiten, damit die Abonnenten von Berliner Kurier, Berliner Zeitung und Aufs Land ihre Zeitung tatsächlich erhalten (und dafür bezahlen, was ja mindestens genauso wichtig ist). Das Abo-Marketing sorgt durch Aktionen dafür, dass neue Abonnenten den Weg zu uns finden und nicht kündigen. Die Versandabteilung/Logistik kümmert sich darum, dass in der Druckerei die jeweiligen Zeitungen auf die entsprechenden Touren der Spediteure verteilt werden – vor allem für den Kurier, der zwei Drittel seiner Auflage über den Einzelverkauf absetzt, ist das ganz entscheidend. Im Vertrieb werden auch die Daten zur Auflagenentwicklung im Print und beim E-Paper für die weitere strategische Planung aufbereitet. Um auf Marktentwicklungen schnell reagieren zu können, müssen die gewonnenen Erkenntnisse technisch umgesetzt werden. Auch hierfür ist der Vertrieb die Schnittstelle.

Was kommt auf Vertrieb und Marketing künftig zu?

Die größte Gefahr für die Beschäftigten der BVZ Berliner Lesermarkt GmbH geht von der Kooperation der drei Berliner Zeitungsverlage aus. (Horizont vom 9.7.2015) Berliner Morgenpost, Berliner Verlag und Tagesspiegel haben – jeder für sich – erklärt, dass sie sich einen Ausbau ihrer bestehenden Kooperation gut vorstellen können. Funke redet explizit vom Vertrieb. DuMont hat verlauten lassen, man könne gleich alle Verlagsbereiche in eine Kooperation einbringen, sofern das gesetzlich möglich sei.

Bislang verbietet das geltende Kartellrecht noch Absprachen oder gar Zusammenlegungen. Kein Geschäftsführer aus den beteiligten Verlagen wird also auch nur ein Wort sagen, welche Planungen bereits im Gange oder schon abgeschlossen sind. Noch in diesem Herbst aber soll das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) geändert werden. Wir rechnen damit, dass es danach ganz, ganz schnell gehen wird. Wie das Konstrukt der Kooperation dann aussehen wird, darüber können wir im Moment nur spekulieren. Dass die drei Verlage versuchen werden, mit sehr viel weniger Personal auszukommen als bisher, davon müssen wir aber ausgehen.

Parallel zu den Berliner Kooperations-Überlegungen strukturiert DuMont gerade konzernweit den gesamten Verlagsservice technisch um. Zuerst in Halle und bis Ende 2017 auch bei allen anderen DuMont-Zeitungstiteln soll ein neues Anzeigen- und Vertriebsprogramm namens Vi&Va eingeführt werden. DuMont betreibt das Programm nicht mehr selber, sondern vergibt den Auftrag an Madsack in Hannover. Madsack dürfte dann auch für den Support der Software zuständig sein.

Sollte es auch in Zukunft noch eine eigene Vertriebsabteilung bei uns im Medienhaus geben, können wir davon ausgehen, dass Vi&Va auch bei uns genutzt würde. In einer denkbaren gemeinsamen Vertriebsgesellschaft der drei Berliner Zeitungsverlage stellte sich die Frage neu. Wie auch immer: In beiden Fällen stehen Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen in der BVZ Berliner Lesermarkt auf dem Spiel.

Was bedeutet das für uns alle?

Ohne die Leistungen der Kolleginnen und Kollegen in der Berlin Medien, der Tele-Sales Unit (Berliner Medien) und  von BerlinOnline zu unterschätzen: Gerade vom Vertrieb hängt ganz wesentlich der Gesamtumsatz in Berlin ab. Der Anzeigen- und Beilagenumsatz ist bekanntlich trotz immer größerer Anstrengungen der genannten Vermarktungsbereiche weiter rückläufig. Die Online-Erlöse der beiden Titel kompensieren das nicht. Deshalb ist der Umsatz aus dem Verkauf der Zeitungen, ob im Abonnement oder im Einzelverkauf, eine entscheidende Größe für unser Medienhaus. Es zählt jeder Leser, der überzeugt werden kann, ein Abo abzuschließen; jeder Abonnent, der am Ende doch nicht kündigt, obwohl er sich über einen Text oder eine Panne bei der Zustellung geärgert hat. Von dem Geld, das hier verdient wird, werden die Gehälter von uns allen (mit-)bezahlt.

Trotz rückläufiger Auflage ist der Vertriebsumsatz seit Jahren annähernd stabil, und das ist eine enorme Leistung auch und gerade der Kolleginnen und Kollegen vom Lesermarkt. Von ihrem Können, ihrer Einsatzbereitschaft und ihrer Detailkenntnis des Berliner Marktes wollen wir auch in Zukunft profitieren. Um ihre berufliche Zukunft zu sichern, brauchen sie die Solidarität der Belegschaften und der Betriebsräte aus den anderen Betrieben. Sie werden sie bekommen.

Euer Konzernbetriebsrat

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