Man wisse in Berlin nicht, ob und was Köln beim Thema redaktionelle Beziehungen möglicherweise plane

brblv06092016Der Betriebsrat des Berliner Verlages informiert heute über ein Gespräch mit den Chefredakteuren Berliner Zeitung/Berliner Kurier und der Geschäftsführung des Berliner Verlages. Der Betriebssversammlung am Vortag waren sie ferngeblieben, entweder entschuldigt bzw. nicht abgesagt. Auf die mit Spanung erwartete Antwort auf die Medienmeldung vom Freitag über Gespräche von DuMont und Funke über redaktionelle Beziehungen, so schreibt der Betriebsrat in seiner Gesprächsdarstellung, meinte ein Unternehmens-vertreter, er „könne nicht ausschließen, dass es in Köln solche Überlegungen gegeben habe oder gebe.“ Im Gespräch wurde noch einmal deutlich gemacht, dass man Mitte bis Ende Oktober ein fertiges Paket zum Optimierungsprojekt in der Berliner Zeitung und Berliner Kurier unterbreiten werde. Betriebsbedingte Kündigungen können man nicht ausschließen. Hier das Betriebsrats-Info im Wortlaut.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute Vormittag gab es das angekündigte Gespräch zwischen dem Geschäftsführer Michael Braun, den Chefredakteuren Thilo Knott und Jochen Arntz, dem Betriebsrat und dem Redaktionsausschuss der Berliner Zeitung über den Stand der Planungen für das Redaktionskonzept, den Umzug, die Zukunft der Rege und weitere anstehende Themen.

Vorab: Die Geschäftsführung und die Verantwortlichen des Redaktionsprojekts haben sich entschieden, die Redaktion bei den Planungen weiterhin nicht einzubeziehen. Die Bekanntgabe von „Wasserständen“ aus dem Planungsprozess sei nicht sinnvoll, erklärte Thilo Knott. Michael Braun kündigte an, Geschäftsführung und Chefredaktionen würden zwischen Mitte und Ende Oktober der Belegschaft mitteilen, mit welchen Konzepten und welchem Personal es am Standort Berlin weitergehen soll. Dann soll ein fertiges „Paket“ vorgestellt werden. Der Betriebsrat kritisierte diesen Top-Down-Ansatz.

Im Einzelnen:

Redaktionskonzept:
Wie genau eine Zusammenarbeit zwischen Berliner Zeitung/ReGe2, Berliner Kurier, Online und den anderen DuMont-Standorten aussehen soll, blieb weiter offen. Sehr deutlich wurde erneut, dass an einer Kooperation zwischen Berliner Zeitung und Berliner Kurier gearbeitet wird, die Genres also vermischt werden sollen. Es dürfe dazu „keine Denkverbote geben“, sagte Thilo Knott. Das sogenannte Shared-Konzept, das derzeit zwischen den Boulevard-Titeln praktiziert wird und wonach die Politik für alle drei Titel aus Hamburg, die Panorama-Seiten aus Berlin und die People-Seite aus Köln kommen, stellen die Projektverantwortlichen in Frage. Jochen Arntz sagte: „Wir wollen nicht von anderen beliefert werden. Wir wollen uns hier untereinander stärken.“

Umzug:
Im neuen Redaktionsgebäude haben sich einige technische Probleme beim Bau ergeben, so dass man nicht mehr im Zeitplan liegt. Es gebe aber keinen Druck, weil der Verlag erst am 30. Juni nächsten Jahres das Gebäude am Alex räumen muss, sagte Michael Braun. Er geht davon aus, dass als erste die Redaktionen im Frühjahr 2017 umziehen werden. Spätestens im April 2017 soll der Verlag ganz umgezogen sein. Er führte aus, dass die Callcenter möglicherweise nicht mit in das neue Gebäude ziehen werden. Sie hätten erhöhten Platzbedarf und könnten auch anderweitig in der Stadt in Gebäuden mit günstigeren Mieten untergebracht werden.

Rege1:
Michael Braun betonte, dass die DuMont-Hauptstadtredaktion „nicht zur Disposition steht“. Darstellungen im Handelsblatt, die Funke-Gruppe (oder auch an ihrer Stelle Madsack) könnten uns „Content“ oder den Mantel liefern, hätten keine Grundlage. Er könne nicht ausschließen, dass es in Köln solche Überlegungen gegeben habe oder gebe. Eine „offizielle Anfrage“ oder Bitte aus Köln habe es in dieser Hinsicht aber nicht gegeben. Die ReGe1 werde weiter die Frankfurter Rundschau und den Weser Kurier beliefern. Jochen Arntz sagte, man wolle weitere Kunden gewinnen. Er betonte, die Berliner Zeitung solle weiter als Vollredaktion geführt werden. Es sei nicht geplant, Content von außen einzukaufen.

Großraum:
Geschäftsführung und Chefredaktion sehen das Arbeiten im Großraum nicht negativ, in manchen Aspekten sogar als vorteilhaft. Ein Newsroom ermögliche eine bessere Kommunikation als die derzeitige Situation mit Einzelbüros. Einwendungen des
Betriebsrates, konzentriertes journalistisches Arbeiten in einem unruhigen Großraum sei belastend und gefährde Nerven und Gesundheit, begegnete Thilo Knott mit seinen Erfahrungen. Er habe in den USA mit mehr als 400 und bei Spiegel Online mit 90 Leuten in Großräumen gearbeitet und positive Erfahrungen. Vorbehalte gegen die vom Betriebsrat als Massenredakteurshaltung bezeichneten Newsrooms gebe es erfahrungsgemäß nur am Anfang. Jochen Arntz sagte, es werde sicher auch Probleme geben, aber die derzeitige Situation von Closed Shops in Einzelbüros sei nicht gut.

Und Kündigungen?
Auf die Frage des Betriebsrates, ob er betriebsbedingte Kündigungen ausschließen und damit die Unruhe im Hause dämpfen könne, antwortete Michael Braun klar: Nein, das könne er nicht. „Wir können keine Garantie geben, dass betriebsbedingte
Kündigungen vermieden werden können.“ Wir bleiben am Ball, wir halten Euch weiter auf dem Laufenden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s