Berliner Zustellgesellschaft weiterhin in einer angespannten Lage – aber nicht wegen des Mindestlohns

 

uberschuldetWürde es nicht die monatlichen “Liquiditätshilfen” der drei Gesellschafter Berliner Morgenpost, Berliner Verlag und den Tagesspiegel geben, die BZV Berliner Zustell- und Vertriebsgesellschaft für Druckerzeugnisse mbH wäre nicht in der Lage, mit ihrem Geschäftsmodell sich selber zu finanzieren. “Operativ hat die Gesellschaft auch in 2014 defizitär gewirtschaftet…Das Unternehmen weist einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in Höhe von TEUR 2.277 aus. Die Gesellschaft ist somit bilanziell überschuldet.”

Dennoch wurde 2014 ein positiven Ergebnis von 0,6 Mio. € erwirtschaftet. Die Gründe liegen in einer außerordentlichen Ergebnisverbesserung, die sich nicht aus dem operativen Geschäft ergibt, sondern in einer  Wertberichtigung. Der Umsatz der BZV ist 2014 um 5,5 Prozent gestiegen und liegt jetzt bei 30, 7 Mio. €. Der betriebliche Aufwand liegt bei 29,3 Mio. €, einer Steigerung um 2,7 Prozent. 2012 betrug der Jahresfehlbetrag – 1,5 Mio. €, 2013 lag er bei – 3,1 Mio. €. Für 2015 erwartet die BZV ein ausgeglichenes Ergebnis.

Kernproblem sind die rückläufigen Auflagen und die Preispolitik für die Titel

In der Bilanz 2014 wird auf das Kernproblem des Zustellunternehmens BZV angesprochen: “Den Vertrieb der Zeitungen hat die Gesellschaft auf Zustellagenturen übertragen. Auf Grund der rückläufigen Abonnementzahlen sanken auch die Umsätze der Zustellagenturen in den vergangenen Jahren im Bereich der Abonnementzeitungen trotz Preiserhöhungen für die Zustellung. … Die rückläufigen Umsätze in der Frühzustellung konnten durch die Zustellagenturen nicht durch Kosteneinsparungen kompensiert werden. Auch die gestiegenen Umsätze bei den Anzeigenblättern reichten zur vollständigen Kostendeckung nicht aus, so dass die Zustellagenturen weiterhin überwiegend defizitär sind. Daraus resultierende etwaige liquiditätsmäßige Unterdeckungen und Verluste wurden im Geschäftsjahr und in der Vergangenheit durch die BZV finanziert. Hieraus resultieren weitere wirtschaftliche Verflechtungen und Abhängigkeiten zwischen den Zustellagenturen und der BZV.”

Der Mindestlohn hatte keine Schuld am negativen operativen Ergebnis der BZV

Das Kernproblem ist weiterhin nicht der Mindestlohn, weil es ihn 2014 noch nicht gab. Seit dem 1. Januar 2015 gibt es eine Lohnuntergrenze von 8,50 € bzw. bei den reinen Zeitungszustellern bei 75 % des Mindestlohnes. Für 2015 rechnet die BZV allerdings mit einem ausgeglichen operativen Geschäftsergebnis, da die Gesellschafter im Dezember 2015 rückwirkend für das gesamte Geschäftsjahr ein neues Preismodell verabschiedet haben. “Die Preisanpassung soll der rückläufigen Auflage der Abonnementzeitungen und den Kostensteigerungen für die Zustellung, insbesondere aus dem Mindestlohn, Rechnung tragen. Die Gesellschaft geht davon aus, dass die Anpassung die Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft stabilisiert und in 2015 ein operatives ausgeglichenes Jahresergebnis realisiert werden kann.”

„Adressierte Zustellung“ Ende 2014 gekündigt 

In der Vergangenheit lag der Strategie der BZV darin, vor allem von ihren Kunden neue Aufträge zu gewinnen, so z.B. bei den Anzeigenblättern. Das Berliner Abendblatt, dass Anzeigenblatt von DuMont in Berlin, würde z.B. zu den potentiellen Kunden der BZV gehören können. Weiter wollte man Umsatz im “Bereich der adressierten Zustellung” generieren. Für 2014 wurde hier auch ein Umsatz von 1,030 Mio. € realisiert. Allerdings kann man in der Bilanz 2014 auf folgenden Satz finden: “Die Verträge im Segment der adressierten Zustellung wurden zum Ende des Geschäftsjahres 2014 gekündigt.”

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