Brennpunkt Berlin: Konsolidierungsdruck in den Verlagen bleibt hoch

breIn Berlin steht eine verlagsseitige Kooperation zwischen der Berliner Morgenpost, dem Tagesspiegel und dem Berlin Verlag 2017 an. Alle drei generieren ihre Umsätze im wesentlichen aus der Herausgabe von Printprodukten, im Kern der Tageszeitung. Es gibt Zusatzprodukte wie die Anzeigenblätter oder der Aufbau von Neugeschäft in den letzten Jahren. Dazu kommen unterschiedlich ausgeprägten Online-Auftritte. Im Mittelpunkt der Geschäftsstrategie steht der Verkauf um den redaktionellen Inhalts/Content und eines klaren Markenprofils. Man kann heute schon die Prognose wagen, dass die geplante Kooperation erst der Beginn des Ausbaus der Zusammenarbeit ist, es wird nicht der Endpunkt sein. Die wirtschaftlichen Gründe treiben zur Kostensenkung, die Gattungsherausforderung Print wird nach weiteren Lösungen suchen.

Alle drei Berliner Verlage haben oder sind dabei, ihre Geschäftsprozesse/-beziehungen zu restrukturieren

Alle drei Regional-Verlage haben sinkende Umsätze, die sich aufteilen auf rückläufige Anzeigen- und stagnierende Vertriebsumsätze. Der Tagesspiegel hat heute die gleichen Personalkosten wie vor fünf Jahren, die Anzeigenumsätze sind in der Zeit aber um fast 38 Prozent zurück gegangen und stagnierende Vertriebsumsätze in der Summe. Ein Neugeschäft wurde aufgebaut, dass Protfolio bereinigt und die Produktstrategie wird weiter überarbeitet.

In den letzten Jahren haben die drei Berliner Verlage dabei, ihre Geschäftsprozesse zu reorganisieren. Die Berliner Morgenpost stellt ab Ende August 2016 das Erscheinen des Anzeigenblatts „Berliner-Wochenende-Extra“ am Samstag ein und konzentriert sich auf den Mittwoch. Der Tagesspiegel hatte erst die Szene-Zeitschrift Zitty (4/2014) verkauft, später die Printausgabe ”Die zweite Hand” (11/2013) eingestellt und der Online-Auftritt ist heute eine Verlinkung auf eBay-Kleinanzeigen. Der Berliner Verlag hatte bisher zwei große Abbau-Programme umgesetzt (2012/2013) und unternimmt jetzt einen weiteren Anlauf. Die Szene-Zeitschrift tip Berlin (9/2013) wurde verkauft wie auch das Anzeigenblatt “Warnow Kurier” (10/2013).

Zusammen haben die drei Verlage einen Umsatz von 213,7 Mio. €

2012 hatten die drei Berliner Zeitungsverlagen, – aus diesem Jahr gibt es Vergleichszahlen  – mit ihren  Geschäftsaktivitäten im Anzeigen- und Vertriebsmarkt einen Gesamtumsatz von 213,7 Mio.€. 109,4 Mio. € ergaben sich aus dem Anzeigengeschäft, 104,3 Mio. € aus dem Vertriebsgeschäft. Das Anzeigengeschäft aller war bereits vor 2012 rückläufig. Der Berliner Verlag hatte z.B. zwischen 2007 und 2012 37 Prozent Anzeigenumsatz bzw. 20 Mio. € verloren.

2012 Berliner

Morgenpost

Berliner

Verlag

Tagesspiegel

PNN

insgesamt
Umsatz
Anzeigen 41,8 Mio. € 33,7 Mio. € 33,9 Mio. € 109,4 Mio. €
Vertrieb 25,2 Mio. € 42,9 Mio. € 36,2 Mio. € 104,3 Mio. €
zusammen 67,0 Mio. € 76,6 Mio. € 70,1 Mio. € 213,7 Mio. €

Quelle: Bilanzen Berliner Morgenpost, DvH Medien

Vor allem im Anzeigenumsatz hat der Tagesspiegel große Einbrüche zu verzeichnen

Betrachtet man die Anzeigenumsätze beim Tagesspiegel, dann sind sie in fünf Jahren (2010-2014) um fast 38 Prozent zurückgegangen. Dieser Rückgang entspricht dem allgemeinen Trend, der sich auch künftig eher nicht (printseitig) grundlegend ändern dürfte. Die Vertriebsumsätze des Tagesspiegel stagnieren im Vergleichszeitraum.

im Mio. € 2014 2013 2012 2011 2010
Anzeigen 26,179 30,249 33,944 40,255 41,764
Vertrieb 34,808 35,530 36,196 35,846 34,659
sonstiges 10,458 8,074 7,538 4,984 4,126
zusammen 71,445 73,844 77,678 81,085 80,549

Quelle: Bilanzen Berliner Morgenpost, DvH Medien

Der Berliner Verlag will ein innovatives, digitales Medienhaus bauen

Für die Zukunft muss man im digitalen Geschäft mit seinem Content und den Marken „siegen“, die bisherigen Strukturen werden so in zehn Jahren nicht mehr funktionieren. Dumonts-Vorstandsvorsitzender, Dr. Christoph Bauer, sprach im Zusammenhang mit dem Umzug 2017 von der „Weiterentwicklung eines innovativen, digitalen Medienhauses“ des Berliner Verlages. Der Konsolidierungsdruck in Berlin bleibt hoch und wird sich durch die anstehende Kooperation nicht grundlegend verändern. Die Verlage werden einen Teil ihrer Kosten durch drei teilen und neue Strukturen aufbauen. Zur Kooperation war eine Änderung des GWB nötig. Auch wenn es jetzt um die 9.GWB Novelle geht, an der 10. wird man bald basteln. Jetzt will man erst einmal die Änderung Nummer 9 haben und seinen Erfahrungen mit dem Kartellamt machen, wie weit es geht. Davor steht der Beschluss des Deutschen Bundestages, es zu ändern. Aber daran bestehen wenig Zweifel.

 

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