DuMont-Beteiligung Bonner Generalanzeiger beabsichtigt, Druckzentrum zu schließen

Nach Angaben des Betriebsrats des Bonner Generalanzeigers, beabsichtigt die Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH, die Schließung der eigenen Druckerei. Der Druckauftrag soll künftig fremdvergeben werden. 80 Beschäftigte wären von der Maßnahme betroffen. Wer den Auftrag bekommt, wird noch nicht kommuniziert. Die DuMont Mediengruppen ist zu 18 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Im Mittelpunkt der Tätigkeiten des Unternehmens steht die Herausgabe des Bonner General-Anzeigers, der als größte regionale Tageszeitung mit neun Regionalausgaben im Großraum Bonn erscheint. Redaktionell arbeiten der Bonner Generalanzeiger und die Kölnische Rundschau zusammen, die KR bezieht den Mantel vom Generalanzeiger. Hier das Info des Betriebsrats:

Über 80 Menschen sollen ihren Arbeitsplatz verlieren! Der Geschäftsführer der Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH (BZD), Thomas Regge, hat am 11.Februar 2016 den Betriebsrat und die betroffene Belegschaft informiert, dass er beabsichtigt, das Druckzentrum zu schließen.

Die Herstellung der dort produzierten Publikationen werde in Zukunft fremdvergeben. Betroffen hiervon sind 41 GA-Mitarbeiter und etwa dieselbe Anzahl von LeiharbeitnehmerInnen.

Die Geschäftsführung verspricht sich davon „langfristig mehrere 100.000,00 Euro im Jahr an Kosten im Bereich des bisherigen Druckzentrums einzusparen.“

Den genauen Zeitpunkt der Fremdvergabe gibt die Geschäftsführung nicht bekannt, die Kündigungen sollen aber bereits im März ausgesprochen werden. Die betroffenen Kollegen und Kolleginnen haben zum Teil mehr als 20 Jahre für den Bonner General-Anzeiger gearbeitet und werden nun auf der Zielgeraden ihres Arbeitslebens von Altersarmut bedroht.

Wie es kam:

Mitte 2015 ist die Geschäftsleitung auf den Betriebsrat zugekommen um über den Fortbestand des Druckzentrums zu reden. Ziel der Gespräche sollte sein, Kosten in diesem Bereich des Unternehmens einzusparen. Sollte das nicht gelingen stehe eine Fremdvergabe der gesamten Zeitungsproduktion im Raum.

Die Erwartungshaltung der Geschäftsführung war, dass der Betriebsrat Einsparpotentiale anbietet, und damit die Arbeitsplätze sichert – vielleicht! Denn eine Standort- oder Arbeitsplatzgarantie lehnte die Geschäftsführung kategorisch ab. Der Betriebsrat hat sich bereit erklärt, einen solchen Weg gemeinsam mit der Geschäftsführung zu gehen, vorausgesetzt die Arbeitgeberseite garantiert, dass keine der diskutierten Maßnahmen umgesetzt werde bevor die Gespräche zu einem Abschluss gekommen sind. Eine solche Zusage hat die Geschäftsführung abgelehnt.

Aufforderungen des Betriebsrats die Geschäftsführung möge nun ihrerseits Konzepte vorlegen unter welchen Bedingungen sie das Druckzentrum weiter führen würde, kam die BZD nicht nach. Auch die erteilte Zusage, die zugrunde liegenden betriebswirtschaftlichen Vergleichsrechnungen vorzulegen, wurde nicht eingehalten.

Bis heute bleibt es also ein Geheimnis des Verlegers, wie die behaupteten „mehreren Hunderttausend Einsparpotentziale“ überhaupt realisiert werden sollen. Ob dies auf dem jetzt eingeschlagenen Kahlschlagsweg überhaupt erreicht werden kann, wird von sachverständigen Experten bezweifelt.

Im November 2015 hat der Betriebsrat der Geschäftsführung ein Konzept vorgestellt, das Druckzentrum in die Hände der dort arbeitenden KollegInnen zu überführen, damit es in Form einer mitarbeitergeführten Gesellschaft weiter betrieben werden kann. Der Vorschlag war verbunden mit der Zusage der zuständigen Gewerkschaft ver.di die Erstellung einer qualifizierten Machbarkeitsstudie zu finanzieren, die die Bedingungen für ein Gelingen untersuchen sollte.

Am 11. Februar 2016 wurde diese Initiative zurückgewiesen, die Erstellung einer Machbarkeitsstudie abgelehnt und die Vernichtung der Arbeitsplätze im Druckzentrum des Bonner General-Anzeigers angekündigt.

Das mögliche Warum:

Als 2012 Investitionen in der Weiterverarbeitung des Druckzentrums nötig waren hat die damalige Geschäftsführung in schwierigen Verhandlungen mit dem Betriebsrat schmerzhafte Einbußen für die KollegInnen durchgesetzt. Mit diesen Einsparungen wurden Teile der Investition finanziert. Im Gegenzug wurde eine Beschäftigungs- und Standortgarantie bis Ende 2015 ausgehandelt.

Die im Jahr 2012 getätigten Investitionen haben sich allerdings als nicht sinnvoll, bzw. nicht ausreichend für die Produktion erwiesen. Schlechtes Management! Da es keine weitere Bereitschaft für Investitionen gibt, soll nach Willen der Verleger nun die Belegschaft für die Managementfehler bezahlen.

Was heißt das für die Zeitung:

Neben den existenziellen Konsequenzen für die betroffenen KollegeInnen befürchtet der Betriebsrat Auswirkungen auf das Produkt General-Anzeiger.

  • Die Zeitung wird an Aktualität verlieren, wenn wegen eines weiter entfernten Druckstandorts der Redaktionsschluss vorverlegt wird.
  • Sind weitere Wege zu bewältigen wird sich die Zustellqualität verschlechtern.
  • Die derzeitige flexible Anpassung von Umfang und Struktur der Zeitung an die Inhalte wird nicht mehr gegeben sein.
  • Als bislang eigenständige Zeitung macht sich der Bonner General-Anzeiger abhängig von Dienstleistern oder gar Mitbewerbern.

Der Betriebsrat der BZD hält die von der Geschäftsführung beschlossene Schließung weder für sozial vertretbar noch für betriebspolitisch sinnvoll.

Wie auch in der Vergangenheit ist der Betriebsrat jederzeit zu Verhandlungen über die Weiterführung des Druckzentrums beim Bonner General-Anzeiger bereit.

Betriebsrat der Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH

 
 
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Ein Kommentar zu “DuMont-Beteiligung Bonner Generalanzeiger beabsichtigt, Druckzentrum zu schließen

  1. 2012 war ich betroffen und noch weitere Kollegen. Aber da hat es niemand interessiert was mit uns passiert (Harz IV ) im Gegenteil, der Betriebsrat hat sogar die Namensliste unterschrieben und was das bedeutet das weiß jeder.

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