Bewegung am Berliner Zeitungsmarkt

 Der Konzernbetriebsrat der Mediengruppe Berliner Verlag, einem Unternehmen der DuMont Mediengruppe, schreibt in seiner aktuellen Veröffentlichung, dass die Beschäftigten am Berliner Standorts sich nach seiner Meinung 2016 auf Einschnitte in der Beschäftigung einstellen müssen. Die Süddeutsche Zeitung hatte in ihrer Veröffentlichung vom 2. Januar 2016 von einer Novellierung des Wettbewerbsrecht bei den Zeitungen geschrieben, mit der dieses Jahr vielleicht zu rechnen sei. Wenn sie kommt, dass hatten die beiden DuMont-Aufsichtsräte Isabella Neven DuMont und Christian DuMont Schütte bereits in einem Interview mit der gleichen Zeitung im Dezember gesagt, würde man in Berlin eine umfassende Kooperation im Verlagsbereiche mit der Berliner Morgenpost, dem Tagesspiegel und dem Berliner Verlag ins Auge fassen. Der KBR wirft auch die Frage auf, was diese Ansage bedeuten würde, wenn es zu keiner gesetzlichen Änderung käme. Hier der Wortlaut des Infos:

Das Interview von Christian DuMont Schütte und Isabella Neven DuMont am 17. Dezember in der Süddeutschen Zeitung und der jüngste SZ-Artikel vom 2. Januar lassen aufhorchen: Es gibt offenbar Bewegung im Berliner Zeitungsmarkt. Die Funke-Mediengruppe (Berliner Morgenpost), Holtzbrinck (Tagesspiegel) und die DuMont-Mediengruppe (Berliner Verlag) führen seit dem vergangenen Sommer Gespräche über eine umfangreiche Kooperation im Verlagsbereich. Dass sie öffentlich darüber sprechen, ist ein klares Signal dafür, dass tatsächlich etwas im Busche ist. Darüber muss man reden – auch mit den Belegschaften!

Bisher sind Kooperationen in Berlin (zuletzt die Übernahme des Berliner Verlages durch Holtzbrinck 2003/2004) am Kartellrecht gescheitert, das den gleichen Maßstab für die gesamte deutsche Wirtschaft anlegt – ob es um Industrie, Handel oder eben Medien geht. Ziel des Kartellrechts ist es, den Wettbewerb zu fördern und Monopolbildungen zu erschweren, und gefragt wird dabei immer nach dem relevanten Markt. Dieser Raumbezug ist den in Berlin tätigen Verlegern ein Dorn im Auge. Geändert werden kann er aber nur durch eine „Lex Zeitungsverlage”.

Im Bundeswirtschaftsministerium findet laut Süddeutscher Zeitung vom 2. Januar eine interne Abstimmung über die Änderung des Wettbewerbsrechts statt. Auch Zeitungs-Kooperationen sind Gegenstand der Debatte. Noch gibt es keinen Entwurf. Wenn es ihn gibt, muss er noch ins Bundes-Kabinett und später durch den Bundestag und seine Ausschüsse, ehe er Gesetz werden kann.

Sollte der Entwurf aber eine Presse-Kooperation in Berlin ermöglichen, ist wohl klar, was passiert: Im Verlagsbereich würden dann diverse Abteilungen zusammengelegt. Im SZ-Artikel vom 2. Januar wurden genannt: Technik (bei uns: DuMont Systems Berlin), Anzeigen (Berlin Medien), Vertrieb (Berliner Lesermarkt, DuMont Dialog Berlin), Rechnungswesen (nicht mehr im Berliner Verlag). Bis zur Entscheidung sind große Investitionen in den einzelnen Verlagsbereichen der drei Zeitungen kaum noch zu erwarten, die Verlage werden ihr Geld für den Aufbau neuer Strukturen zurückhalten.

Was, wenn die Verlage in Berlin nicht kooperieren können?

Sollte der Entwurf zur Neufassung des Wettbewerbsrechts keine Presse-Kooperation in Berlin ermöglichen, ist der Weg zu einer Kostenteilung der Verlage durch drei Partner versperrt. Die SZ schreibt, dass alle drei Verlage rote Zahlen schreiben. Es dürfte daher zu Sanierungen kommen – in allen drei Verlagen. In der bislang letzten Sanierungsrunde im Berliner Verlag, die im November 2012 begann, wurden mehr als 120 Stellen abgebaut. Zudem wurde der TIP verkauft. Geschäftsführer Michael Braun sagte damals: “Wir müssen in einem Schritt den Berliner Verlag (aus den roten Zahlen)  

Was heißt das für die Beschäftigten?

Wir sehen – so oder so – eine neue Sanierungsrunde auf den Berliner Verlag zukommen. Wann, das hängt auch von den Entscheidungen zum Kartellrecht ab. Ein „Gesundschrumpfen“ allein aber kann nicht zum Erfolg führen, das hat die vorige Sanierungsrunde eindeutig gezeigt.

Viele richtige Weichenstellungen sind in den letzten Monaten vorgenommen worden: die eingeleitete digitale Transformation (auch wenn sie viel zu langsam vorankommt), die weitere Regionalisierung der Berliner Zeitung, die optische Neuausrichtung von Berliner Kurier und Berliner Zeitung und die verbesserte Zustellquote beim Berliner Abendblatt (geprüfte Prospektzustellung bei 89,5 %). Investitionen im Druckhaus sicherten zusätzliche Druckaufträge. Zusätzliche neue Printprodukte und neue Online-Produkte verbessern die Möglichkeiten, neue Anzeigenkunden und Leser für eine breitere Produktpalette der Mediengruppe zu gewinnen. Zukunftsweisend ist auch die Orientierung auf den Bereich E-Commerce im Zusammenspiel mit Berlin Online und popula in Berlin.

In allen Betrieben und Abteilungen wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enorm viel geleistet, um die Potentiale am Markt zu erschließen. Sehr vieles hängt an den Redaktionen von Berliner Zeitung und Berliner Kurier. Sie sind die Traditionsmarken. Ohne ihren Umsatzerfolg, ihre Reichweite und ihr Ansehen kann keine Strategie für die Mediengruppe in Berlin Erfolg haben.

Unsere Haltung:

Zur wirtschaftlichen Gesundung des Berliner Verlages und damit zu einer Sicherung unserer Arbeitsplätze gelangen Management und Belegschaft nur gemeinsam, in guten wie in schlechten Zeiten, aber nicht in einem Schritt. Nötig ist nicht zuletzt eine langfristige Personalstrategie, die sozialverträglich ist und die Belegschaften mitnimmt – über die gewählten Betriebsräte und über die Gewerkschaften. Die Betriebsräte in Berlin stehen für den Dialog bereit.

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