Was am 26. September 2014 begann

Am Vormittag des 26. September 2014 informierte der Vorstandsvorsitzende der DuMont Mediengruppe, Dr. Christoph Bauer, über das so genannte Programm “Perspektive Wachstum” auf einer Mitarbeiterversammlung in Köln. Seine Rede wurde per Livestream an die anderen Standorte in Berlin, Halle und Hamburg übertragen wurde. Ein Tag vorher wurde dazu eingeladen. Auszüge aus der damaligen Rede von Dr. Bauer stellen wir Online. Was kann man heute über den 26. September 2014 im Rückblick sagen?

Eine Stunde vor der Versammlung wurden die Betriebsräte an den Standorten über die jeweiligen personellen Folgen informiert. Nach den Versammlungen gab es mit den betreffenden Ressorts bzw. Abteilungen Informationsveranstaltungen.
Wochenlang hatten sich die örtlichen Geschäftsführungein abgestimmt, eine Beraterfirma wurde mit einer Sprachregelung, der Story, beauftragt. Sie sollte glaubhaft wirken. Es wurde intern sogar u.a. eine Art Fragen und Antworten-Übersicht (Master FAQ) erstellt, so dass die Geschäftsführungen auch in der „freien“ Rede, wussten, was sie zu sagen hatten.

Die am 26.09.2014 vorgestellten Aktivitäten hatten ihren Ausgangspunkt in einem schnöden Einsparprogramm (EVP), des Frühjahrs 2014, so unsere Einschätzung in ver.di. Es wurden viele Worte gemacht wurde, um die Absicht sich in der Aussendarstellung zu maskieren. Im Markt wollte man nicht so darstehen, dass einem nur Abbau einfällt. Die alte, erfolglose Strategie vom Aufsichtsrat und Vorstand, war gescheitert. Das Wachstum mit dem Kauf der FR (2004) und dem Berliner Verlag/MOPO (2009) hat die Gruppe in eine Finanzierungskrise geführt. Dem entsprechend erklärte DuMont am 26.09.2014, dass man mit dem Vorgehen die Zukunft der Mediengruppe sichern wolle. Die Wirkung an allen Standorten war aber nicht eine konzeptionelle Präsentation, was DuMont wollte, sondern es war eine Vorstellung, die wie Blei bei den Belegschaften wirkte. Es führte zur Verunsicherung, wo die Zukunft von DuMont liegen dürfte. Die Perspektive Wachstum, dass war der Abbau von Stellen, war die Bestätigung der Haltung, dass es mit der Branche bergab geht. Faktisch wollte der Vorstand fünf Prozent der Gesamtkosten einsparen, was nach Schätzung rund 20 Mio. € sein gewesen sein dürften.

Der Betriebsrat der Hamburger Morgenpost hatte mit seiner Veröffentlichung vom 2. September 2014 den Kern der kommenden Restrukturierungsmaßnahmen öffentlich gemacht und damit die Meinungsbildung am Standort über die Zukunft mit angeschoben. Diese Qualität der Auseinandersetzung hatte man aber nicht verstanden. Diese Debatte wurde an verschiedenen Stellen geführt, wie man sich auf ein kommendes Restrukturierungsmaßnahmen kurz- und mittelfristig aufstellt. Ver.di agiert nicht nur bei DuMont, sondern erlebt die Unternehmensprozesse an anderen Stellen. Die aufzuwerfenden Fragen sind daher schnell gestellt. In der Auseinandersetzung um das Abbauprogramm, also vor seiner eigentlichen Verkündung, begann die eigene Formierung bei DuMont auf Betriebsratsseiten.

Ver.di und die Betriebsräte waren damals auf eine Richtung von 10 bis 20 Mio. € Einsparungen vom Volumen her eingestellt. Es gab verschiedene Annahmen, was passieren könnte. Es wurden Absprachen getroffen, wie man reagiert. Außerhalb des Hamburger DuMont Standorts waren die konkreten Maßnahmen aber nicht bekannt, so dass man erst einmal am 26. September hören musste. Nachdem DuMont an dem Tag  die Meiden informiert hatte, gab es auch eine Presse-Erklärung von ver.di, die von den Agenturen und dann folgend auch den Medien mitgenommen wurde. „Immer weniger Redakteure und Beschäftigte in den Service-Bereiche sollen im digitalen Zeitalter immer mehr leisten. So kann man weder journalistische Qualität noch Lesernähe halte.“ Vorstandsmitglied von Heusinger polemisierte einige Tage später gegen die Sichtweise, da man keine Redaktionsstellen abbauen wolle. Heute zeigt sich, wie groß die Aufgabe in der Transformation ist. Verdi wählte dieses Bild, um darauf zu verweisen, dass man einen Weg des Sparens verfolgt, der nicht zu Innovation führt. Würde man, wie das Unternehmen in seiner Transformationsrechnung,  aktuell die Beschäftigung von festen Freien ansehen, würde man nach unserer Meinung auch  zum Ergebnis kommen, dass in der Redaktion sehr wohl in größerm Umfang Stellen  bzw. die der festen Freien reduziert wurden.

Heute bemüht sich das Unternehmen, eine Art Kontinuitätslinie zur damaligen „Perspektive Wachstum“ zu vermitteln, doch das ist eine konstruierte Absicht. Der Personalum- und -abbau ist angefangen, aber das haben klassische Restrukturierungsprogramm so an sich. Viel kann man da nicht verkehrt machen, wenn man Personalkosten senken will.

In unserem Kommentar vom 10. März 2015 haben wir nach der Kündigung von Hans-Peter Buschheuer den Abbau-Charakter auch an Hand der redaktionellen Prozesse aufgegriffen. Die Kündigung von Hans-Peter Buschheuer war seit der Perspektiven-Verkündigung 26.09.2014 ein Tiefpunkt in der Überzeugungsarbeit von DuMont in den Belegschaften um  die „Perspektive Wachstum“. Weder nach innen noch nach außen schaffte es DuMont, große Gruppen zu überzeugen, dass die Perspektive des Unternehmens auch die Zukunft der Abreitnehmer in der Unternehmensgruppe ist.

Die digitale Transformation, von DuMont als Kern der „Perspektive Wachstum“ bezeichnet – weil die Gruppe  aus dem Content, den Inhalten, ihre Geschäftsidee ableitet – kommt nur schwer in Gange und dürfte zu weiteren Kostensteigerungen führen. Der Widerstand in den Chefredaktionen gegen diesen Umbau ist groß. Zwar vergessen, aber im Rahmen dieses Prozesses hat man den Chefredakteur des Berliner Kuries, Hans-Peter Buschheuer, gekündigt. DuMont ist mit seiner IT-Strategie nicht für die Zukunft aufgestellt, sondern noch in der Vergangenheit verhaftet. Die Neuorganisierung des digitalen Geschäftsfeld kommt sehr kleinteilig daher und bietet bisher wenig Volumen an. Das jetzt Vorstand und Geschäftsführer an einer digitalen Agenda arbeiten, verdeutlicht die diskontunierliche Situation von DuMont seit dem September 2014. Allen Absichtserklärungen zum Trotz, aus den bestehenden Geschäftsfelder generiert man kein Wachstum. Dafür muss man Geld anfassen, was man in Frankfurt, Berlin und Köln verbrannt hat. Dafür muss man aufkaufen.

Die strategischen Fragen zur Unternehmens- und Marktentwicklung wurden aufgerufen. Es ist im Prinzip das gleiche Management, dass jetzt in eine andere Richtung läuft. Die Beschäftigten sind auf die Ausführung eingestellt, die Führung ist herausgefordert durch die „Perspektive Wachstum“. Wenn sie sich am reden üben, hat das keine Perspektive.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s