MOPO-Betriebsrat: So wird die digitale Transformation nicht funktionieren 

Der Betriebsrat der MOPO informiert in einem Schreiben an die Belegschaft, dass sieben Stellen im Rahmen der digitalen Transformation von MDS in Hambjrg abgebaut werden sollen, um sie dann neu wieder zu besetzen. Der BR kündigt gegen dieses Konzept Widerstand an. Die Absicht, mit der gleichen Mannschaft die Tranformation zu gestalten, wird nicht funktionieren. Die Debatte muss mit der Redaktion geführt werden. Hier das Info im Wortlaut.

„Die Geschäftsleitung plant nach unseren Informationen Kündigungen in der Redaktion, aber auch im Verlag wird es wieder Kündigungen geben. Es kommt einem fast wie ein Déjà-vu zu den Ereignissen im ver-gangenen Jahr vor. Im Ergebnis der digitalen Transformation werden wohl nur noch zwischen 10 bis 15 Prozent aller Redakteure die Printausgabe betreuen, 85 bis 90 Prozent sollen in der digitalen Redaktion arbeiten. Der MOPO-Betriebsrat: Mit uns wird es keine Kündigungen geben, wer die digitale Trans-formation so plant wie sie sich uns im Moment darstellt, der muss mit heftigem Widerstand rechnen. Wir treten für die Zukunft der MOPO ein und haben unsere Vorstellungen. Die Stimmung im Haus ist schon mehr als angespannt, und jetzt drohen zusätzlich wieder Abbau, Umbau und Mehrbelastungen.

Worum geht es konkret?
Nach unserem Informationsstand sollen in der Redaktion vier feste Stellen abgebaut werden, um sie danach wieder mit Neu-Einstellungen zu besetzen. Weiter gehen wir davon aus, dass auch feste Freien im Rahmen dieser Betriebsänderung vor die Tür gesetzt werden könnten, so dass mit der gleichen Gesamtmannschaft wie heute MOPO Print und Online künftig produziert würde. Im Verlagsbereich bleiben wir dabei, dass bei der DuMont Finanz Service Geschäftsleitung die Kündigungen geplant werden.

Digitale Transformation = Kompression
80 bis 85 Prozent der Redaktion werden nach unseren Informationen künftig in der Digital-Redaktion arbeiten, und lediglich eine kleine Mannschaft soll das Printprodukt fertigen, wozu natürlich noch ein Restlayout gehören dürfte. Wir spekulieren, dass es um ca. 10 bis 12 Personen geht, die künftig die Printausgabe produzieren, der Rest wird ein so genannter Multimedia-Redakteur. Dienstvorgesetzter der digitalen Redaktion ist dann nicht mehr der Chefredakteur, sondern ein so genannter General Manager, wenn wir uns am Express-Konzept orientieren. Die inhaltliche Verantwortung für die Zeitung liegt, so das Express-Konzept, weiterhin beim Chefredakteur. Das technische Konzept der Online und Printproduktion ist für uns im Moment nicht klar. Entweder produziert die Redaktion auf beiden System, also NGen und dem Online-Produktionssystem, Core Media, oder nur auf Core Media. Es ändert aber nichts daran, dass Print und Online zwei unterschiedliche Texte bzw. Werke sind und mehr Zeit-Kapazitäten erfordern, was mit der gleichen Mannschaft nicht funktionieren wird. Wer vom Premium für die Printleser spricht, benötigt genau diese Zeit für gute Geschichten. So oder so entscheidet das technische Konzept der Transformation maßgeblich über die Belastung der Mitarbeiter und bisher kann man nur sagen, dass MDS an diesen Stellen oft danebengelegen hat. Wir haben uns national und international mit diversen Redaktionen ausgetauscht. Der stimmige, nicht gewünschte oder schöngemalte, Workflow und die perfekt funktionierende Technik sind ein zentrales Belastungsmoment. Eine Geschichte für Online geschrieben ist eine andere als für Print, wenigstens sagen dass die Erzählungen der Redakteure aus unsere kontakteten Redaktionen.

Insgesamt sollen sieben Stellen „freigemacht“ werden und dafür sieben neue eingestellt werden
Im Gegenzug zum Abbau von wohl insgesamt sieben Stellen (Festangestellte oder feste Freie) allein in der Redaktion, sollen nach unseren Informationen sieben neue Arbeitnehmer eingestellt werden. Überträgt man das Modell vom Express, so dürfte die Mannschaft sogar reduziert werden, da drei oder vier Stellen nicht mit schreibenden Redakteuren besetzt werden, sondern mit Mitarbeitern für Social Media, Suchmaschinenoptimierung und vermutlich Web-Auswertungen .

Anzeigenausgliederung gescheitert
Der in der Vergangenheit umgesetzte Umbau des Online-Anzeigenverkaufs ist vollständig gescheitert. Auch hier wurden Printverkäufer entlassen und dafür Online-Verkäufer eingestellt. Wir haben über das Ausscheiden von Mike Warmers berichtet. Ein weiteres Arbeitsverhältnis ist von einer Festeinstellung in ein befristetes umgemünzt worden. Wir gehen im Übrigen von weiteren personellen Maßnahmen in Hamburg First, unserer ehemaligen Anzeigenabteilung, aus.

Wirtschaftliche Perspektive
Das vergangene Geschäftsjahr endete mit roten Zahlen, das laufende dürfte bei den Anzeigenrückgängen und steigenden Kosten rot bleiben, vermuten wir. Bei geplanten Investitionen in die Transformation wie räumlicher Umbau und neue technische Ausstattungen gehen wir davon aus, dass dann auch 2016 mit roten Zahlen zu rechnen wäre.

Mit Enttäuschung sehen wir, dass der bisherige Geschäftsansatz, ein stetig ansteigendes Online- Anzeigenvolumen, sich aktuell nicht so nicht entwickelt, sondern der gesamte Online-Umsatz rückläufig sein soll. Was heißt das für die Zukunft der Finanzierung der digitalen Strategie? Haben wir es mit objektiven Prozessen zu tun oder haben wir darauf Einfluss? Dann muss sich etwas ändern. Wenn der bisherige Ansatz gescheitert ist, dann kann man nicht mehr „business as usual“ machen.
Es ist richtig, in die digitale Transformation zu investieren, dafür sind wir. Aber dies geht nur mit der gesamten Mannschaft und mit einem gemeinsamen Ziel, das getragen wird. Ansonsten wird es nicht funktionieren. Die Zeitungen sind in einem grundlegenden Umbruch, den MDS viel zu lange nicht richtig angegangen ist. In einer solchen Situation bricht man nichts übers Knie.
Unsere Haltung
Wir sind für die digitale Transformation, denn sie ist für die Zukunft der Zeitung, die heute vermutlich zu 85 Prozent vom Printprodukt lebt. Es ist eine wichtige und wesentliche Maßnahme. Stattdessen wurden unter dem alten Vorstand Online- und Print-Redakteure getrennt. Wir waren bekanntlich dagegen. Wir sind außerdem für eine Konzentration auf Hamburg, für die Suche nach redaktionellen Kooperationen, damit auch wir im publizistischen Wettbewerb mehr anbieten können. Wer von Premium spricht, muss sich bewusst sein, dass man dafür mehr Redakteure benötigt. Die Anzeigenentwicklung darf so nicht weitergehen. Die Konzernkosten müssen neu sortiert werden. Der Betriebsrat hat ein großes Interesse, dass mit ihm und der Redaktion über den Umbau beraten wird, weil wir den Erfolg dieses Prozesses wollen. Ein „Change-Prozess“, so wie er jetzt geplant sein dürfte, findet keine Akzeptanz im Betriebsrat. Wir sind für einen Wandel in der Arbeits- und Kommunikationskultur im Haus, aber wir wehren uns gegen einen Umbau, der nicht die redaktionelle Leistung in den Mittelpunkt stellt, sondern ein strukturell kaufmännisches Konzept verfolgt, dass weiterhin auf dünnen Beinen steht, schaut man auf die Online-Anzeigen-Umsätze, fehlende neue digitale Produkte und die unsortierte digitale Vertriebsstrategie. Markenkern und Markenversprechen, das ist die Sprache der Kaufleute. Ein Verkäufer gehört zu den Kunden, nicht in den Newsroom. Wir glauben nicht, dass man durch das Wissen um tageaktuelle Geschehen als MOPO gezielt über diesen Weg Anzeigen für den gleichen oder nächsten Tag online verkaufen kann.

Stimmung im Keller
Die Stimmung im Haus ist sehr angespannt: überarbeitete Redakteure und Ressortleiter, bis zum Umfallen schuftende Online-Kollegen, ein gescheitertes Personalkonzept im Online-Anzeigen-Verkauf u.a.m. Wir können nur davor warnen, so zu tun, als gebe es diese besondere Lage bei der MOPO nicht. So ein Konzept der digitalen Transformation wird scheitern und Schaden anrichten. Wir zusammen machen diese Zeitung, deren Online-Angebot und die Magazine und wir verkaufen diese Leistung. Das WIR entscheidet über die Zukunft der MOPO!“

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