MOPO: Was vor einem Jahr begann

Am 2. September 2015 erinnerte der MOPO-Betriebsrat an seine Info vom gleichen Tag, nur ein Jahr zuvor. Er hatte damals über Abbau-Planungen in der Zeitung geschrieben. Die Geschäftsleitung benötigte damals eine Woche, um dann die Informationen zu bestätigen. Hier das BR-Info vom 2. September 2015:

„Im September 2014 erschien ein Betriebsrats-Info in der MOPO, in dem wir über einen Stellenabbau in Verlag und Redaktion informiert hatten. Die Auseinandersetzung über die Maßnahmen zog sich bis in den April 2015.

Am 1. September 2014 hatte sich der Verwaltungsrat der Presse Medienhaus Berlin – der obersten Gesellschaft der MDS-Beteiligungen in Berlin und Hamburg – mit dem Sparkonzept für die MOPO beschäftigt. Die „taz“ schrieb später in ihrer Bundesausgabe, dass es auch um den Abbau von „Low Performern“ ginge und dass man Beschäftigte abbauen wolle, um sie durch Berufseinsteiger mit einem niedrigeren Gehalt ersetzen zu können. Um für die Kündigung und den zu erwartenden Rechtsstreit gewappnet zu sein, wollte man auf Nummer sicher gehen: Die GL hatte einen externen Rechtsanwalt angeheuert und einen exakten Vorgehensplan abgesprochen. Am 2. September 2014 sprechen wir in unserem BR-Info von einem “Personalabbau in größerem Umfang in Verlag und Redaktion“. Der Anzeigeninnendienst soll abgebaut werden, die Mediaberater in eine neue Gesellschaft ausgegliedert werden, das Rechnungswesen sei ebenfalls betroffen. In den regionalen und überregionalen Medien wurde die BR-Meldung über den geplanten Abbau in großem Umfang mitgenommen.

Im April 2014 hatte man ursprünglich noch ein anderes Abbau-Konzept im Blick gehabt. So sollte das Layout ausgegliedert und im Rahmen dieser Ausgliederung drei Layouter abgebaut werden. Doch die Einsparung und Reorganisation der MDS-Gruppe sollte offenbar grundlegender werden. Im Mai 2014 hatte man sich in der MOPO entschlossen, die Verlagerung des Anzeigen-Innendienstes nach Halle zu planen. Im Juni 2014 wurde als erster Schritt eine Arbeitnehmerin, die damals in der Anzeigenabteilung der MOPO beschäftigt war, bei DuMont Media eingestellt, um so später besser die fünf im Anzeigeninnendienst kündigen zu können. Im August 2014 zog man eine Maßnahme aus dem MDS-Ergebnisverbesserungsprogramm in der MOPO vor und kündigte der Referentin der Personalabteilung.

Am 9. September 2014 bestätigte die MOPO-Geschäftsleitung die Information des Betriebsrats, dass ein Personalabbau in Verlag und Redaktion geplant sei und wie die Maßnahmen aussehen würden. 5,8 Stellen werden insgesamt abgebaut, aber man schwieg zur Zahl der Personen, um den absoluten Umfang zu kaschieren. Als Grund für diese Maßnahmen sprach die GL u.a. von einer angeblichen Konzentration auf die regionale Marktbearbeitung. Man wolle innovative Ideen und multimediale Formate entwickeln. Ursprünglich wollte man in der MOPO und den anderen MDS-Standorten am 26. September in einer Art konzertierter Aktion die Belegschaft überrennen. An diesem Tag sollte für die ganze Gruppe ein Restrukturierungsprogramm in Köln vorgestellt werden, das aber freundlich klingen sollte und die Bezeichnung “Perspektive Wachstum” erhielt.
Am 15. September 2014 führten wir als Betriebsrat in der Mittagspause eine “Öffentliche Pressekonferenz” durch, an der sich die Beschäftigten aus Verlag und Redaktion beteiligten. Unsere Protestkundgebung, unterstützt von ver.di und dem DJV Hamburg, fand unter den Augen der Presse statt. Die Berichterstattung war wieder umfangreich und wurde in den Zusammenhang mit dem eigentlich zu feiernden 65. Geburtstag der MOPO gestellt.

In unseren Augen waren angesichts der für sie überraschenden Situation Verunsicherung und Ärger in der Geschäftsleitung groß. Ein für den 16. September 2014, dem 65. Geburtstag der MOPO geplanter Geburtstagsempfang sollte abgesagt werden. Später änderte man seine Haltung noch einmal. Während im Haus ein kleine Gruppe von Beschäftigten mit der Geschäftsführung auf den 65. Geburtstag unter Aus-blendung der konkreten Situation anstieß, war die Mehrheit vor der Tür und stieß auf die MOPO und ihre Belegschaft an. Manch einer blieb beiden Aktivitäten fern. Am 17. September 2014 fand eine gemeinsame Mitgliederversammlung von ver.di und DJV in der MOPO statt. Es wurde eine Haustarifkommission gewählt und es wurden Tarifforderungen beschlossen. Neben den betrieblichen Akteuren – Betriebsrat und Geschäftsleitung – wollten auch die Gewerkschaften mit an den Verhandlungstisch. Am 18. September 2014 berichtet das Medienmagazin des NDR, ZAPP, über die Pläne der Geschäftsleitung und die Gegenwehr in der MOPO.

Am 26. September 2014 präsentiert Dr. Christoph Bauer sein Restrukturierungs- und Abbau-Programm. Mit dem Protest im Unternehmen hatte sich die Belegschaft entschieden, dessen Linie nicht mitzugehen. Mit der Bildung einer Haustarifkommission war bis zum 26. September 2014 eine wichtige Etappe in der Organisation der Gegenwehr abgeschlossen. Damit war eine formale Voraussetzung geschaffen, dass auch gestreikt werden konnte. MDS hatte sich bereits vor dem 26. September 2014 verrechnet.“

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