MOPO-Betriebsrat zur digitalen Transformation

Unsere MOPO steht vor einem dramatischen Umbruch – die digitale Transformation wird für uns alle die Art und Weise ändern, wie wir arbeiten und was wir produzieren. Die redaktionellen Inhalte sollen künftig für Print und Online gleichberechtigt publiziert werden. Es geht nicht nur um einen Relaunch, sondern auch um die strategische Zukunft der Zeitungsgruppe in einer vernetzten Welt. Immer mehr Menschen beziehen ihre Informationen nicht mehr nur aus der gedruckten Zeitung, sondern über diverse digitale Kanäle. Das klassische Printprodukt und die neuen Online-Produkte erfordern also von uns das gleiche Maß an Zuwendung. Wir dürfen unsere alten Leser auf keinen Fall verprellen. Aber wenn wir die neuen Leser nicht erreichen, haben wir in unserem Beruf keine Zukunft. Wir benötigen ein durchdachtes Konzept für die Zukunft der MOPO.

Die Mannschaft
In der Mitteldeutschen Zeitung und beim Express wird man die Tage mit der gleichberechtigten Produktion von Online („Mobile First“) und Print starten. Damit die Digitale Transformation auch bei uns gelingen kann, brauchen wir eine klare inhaltliche Strategie und eine angemessene technische Ausstattung. Wir brauchen eine effektive Arbeitsorganisation und ausreichende personelle Kapazitäten. Ohne motivierte Redakteure, die sich mit voller Überzeugung und mit Begeisterung an die Arbeit machen, geht gar nichts. Auch deshalb sollte die Geschäftsführung von Beginn an klarstellen, dass sie keine Redakteursstellen abbauen wird und dass sie nicht Teile der Mannschaft abzubauen vorhat, um deren Stellen für Neueinstellungen freizumachen. Solche Pläne würden auf unseren heftigen Widerstand stoßen. Vielmehr müssen die Potentiale aller KollegInnen beim Umbau berücksichtigt werden. Es bedarf einer langfristigen Personal-entwicklung für die Redaktionen und weiterer Redaktionsstellen, dazu gehört u.a. der personelle Ausbau der Korrektur auf die neuen Produktionszeiten. Es bedarf einer Regelung zur Handhabung von Social Media und einer klaren Ansage, dass diese Berichterstattung den Grundsätzen des Pressekodex unterliegt, dass das Presserecht gilt und das Unternehmen die Haftung übernimmt. Es bedarf klarer Überlegungen zu den Mindestbesetzungen und den Schichtbesetzungen.

Die Inhalte
Man kann lange darüber streiten, warum wir über 20 Prozent unserer Print-Leser/innen verloren haben. Fest steht, dass die Zeitung inhaltlich überzeugen muss. Die lokale Berichter-stattung wird durch die Möglichkeiten des Internet unendlich erweitert. Sie zu nutzen, kann eine große Chance für eine professionelle Berichterstattung sein. Die Vielfältigkeit in der Dar-stellung der Themen kann durch die Publikationsmöglichkeit über das Netz bzw. die sozialen Medien vertieft werden. Wir würden es begrüßen, wenn man im Bereich des Datenjournalis-mus das redaktionelle Online-Angebot erweitert. Wir sind für den Ausbau von Blogs auf mopo.de, für ein Social Media Ressort als einen Publikationskanal, für ein Video- und Foto-Ressort. Dass wir mit unseren (Dienst)Handy-Kameras diese Bilder produzieren, ist bestenfalls ein winziger Teil einer publizistischen Strategie. Wollen wir nicht in der Beliebigkeit versinken, bedarf es für die bewegten Bilder eines redaktionellen, journalistischen Konzepts. Die Stärke der MOPO liegt in ihrer lokalen Kompetenz und die muss auf allen Kanälen, von Print bis in die Online-und Social Media-Auftritte gestärkt werden.

Die Technik
Die technischen Werkzeuge, die uns für die Digitale Transformation zur Verfügung stehen, sind zurzeit nicht optimal. Sie sind vor allem auf das Produzieren ausgerichtet, aber nicht auf die journalistische Arbeit der Redakteure. Am schwersten wiegt, dass wir über kein integriertes Print-Online-System verfügen. Bis sich das ändert, müssen wir mit NGen und CoreMedia als den beiden Produktionssystemen für Print und Online auskommen. Eine Produktionsstrategie, die allein auf Masse und auf Tempo setzt und nach Qualität kaum noch fragt, lehnen wir aller-dings ab. Alle Multimedia-Redakteure und Reporter benötigen ein Diensthandy. Wer heute den Eindruck erweckt, der Journalist von morgen sei ein Allrounder, der vom Morgengrauen bis Mitternacht textet, postet, Videos macht und ganz nebenbei noch eine gedruckte Zeitung produziert, macht es sich zu leicht. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind viel komplexer.

Reichweite im Netz ist heute ein wichtiges Kriterium, um Umsätze aus dem Verkauf von Werbefläche zu erzielen. Für die Akzeptanz bei den Nutzern von Web-Angeboten sagen die Klicks auf Themenangebote etwas aus. Aber Journalismus lebt nicht nur von der Quote. So wenig der Readerscan Auflagenrückgänge stoppen kann, so wenig kann es ein Erfolgskriterium sein, dass nur Texte erscheinen sollen, die “Quote” bringen. mopo.de ist heute ein erfolgreiches Web- und Mobile-Portale mit einer engagierten Redaktion, deren Wissen und Erfahrung für die Umstellung sowie Vermittlung im Haus von großer Wichtigkeit für den gesamten Prozess ist.

Die Erlöse
Der Anzeigenverkauf gehört u.E. nicht an den Balken, sondern muss bei den Kunden stattfinden. Wir freuen uns über Erfolge im Anzeigenverkauf – sie sind Ausdruck des gezielten und beharrlichen Wirkens der VerkäuferInnen. Unsere Mediaberater/innen sind ein wesentliches Erfolgsgarant, mit dem man pfleglich umgehen muss und die besser bezahlt werden müssen. Mit Sorge verfolgen wir die aktuelle Entwicklung des Verkaufs und deren Organisation, denn die geht zu Lasten der Verkäufer und damit des Umsatzes.

Der digitale Verkauf der Zeitung über die verschiedenen Stores von Apple, Google oder den Store von Axel Springer (iKiosk) bringt keine nennenswerten Erlöse. Die ePaper Abonnenten machen insgesamt zwischen 1,6 bis 1,8 Prozent der verkauften Auflage aus. Über die Pay Wall von Later Pay wird überhaupt nicht geredet, obwohl man sich nicht dafür fürchten muss, dass diese Erlöse vielleicht nicht den Erwartungen entsprechen. Wichtig für die Glaubwürdigkeit im Rahmen der digitalen Transformation ist, dass solche Zahlen kommuniziert werden und damit der Schleier des Geheimen verschwindet.

Die Strategie
MDS hat sich beim Umgang mit der digitalen Herausforderung unseres Arbeitsumfeldes bisher immer wieder ungeschickt aufgestellt, hat Chancen verschlafen, Schwerpunkte zu spät oder falsch gesetzt. Jetzt wird auf MDS-Ebene wieder viel über die digitale Transformation geredet und auf Unternehmensebene geplant, aber der Betriebsrat wird nicht beteiligt. Doch aus den Fehlern der Vergangenheit lernen heißt, dass man diesmal die Redaktion und den Betriebsrat umfassend an diesem Prozess beteiligen sollte. Alles andere wäre ein ganz schwieriger Weg.

Unsere Zukunft
Mit großer Sorge sehen wir die derzeitige Planung der „Digitalen Transformation“. Die MOPO ist technisch und personell nicht ausreichend für einen solchen Wechsel aufgestellt. Die Debatten über die Inhalte verschwinden mehr und mehr. Doch über diese Inhalte definieren wir uns als Marke, ohne sie verlieren wir unsere Unverwechselbarkeit und unsere Leser.

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