Berliner Verlag: Perlenzucht statt Medienstrategie

spiegelEnde September wurde sie an allen Standorten der Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) gleichzeitig verkündet: die »Perspektive Wachstum«, mit der man sich künftig mit »publizistischen Qualitätsprodukten am Markt« behaupten will. ver.di-Vize Frank Werneke kritisiert einen »Schlingerkurs zulasten der Beschäftigten« statt einer überzeugenden Strategie. Der Betriebsrat des Berliner Verlages siehthinter den prognostizierten»Wachstumspotenzialen« ein verkapptes Sparprogramm. In einer gemeinsamen Erklärung sprechen die Interessenvertreteraller Konzernstandorte vom »Abbau von Arbeitsplätzen und sozialen Sicherheiten« und fordern den Abschluss von Sozialplänen.

MDS kündigt die Gründung regionaler Medienhäuser in Köln, Berlin und Hamburg sowie Halle/S. an, wo die verschiedenen Angebote künftig »gebündelt und marktorientiert weiterentwickelt « werden sollen. Für den Berliner Verlag würde das eine völlige Zerstückelung bedeuten: Vertrieb/Marketing, Redaktionen der »Berliner Zeitung« und des »Berliner Kurier « sollen schon zu Jahresbeginn 2015 eigene Gesellschaften werden. Die Druckerei, bislang 100-prozentige Tochtergesellschaft des Berliner Verlages, wird nach diesen Plänen mit den anderen Druckhäusern des Konzerns in eine neue Sparte DuMont Druck überführt. Nach dem Kundencenter, Rechnungswesen, Archiv, Anzeigenabteilung, Personal und Gehaltsbüro bereits ausgelagert bzw. geschlossen wurden, ist das ehemals starke Verlagshaus am Alexanderplatz dann in lauter Einzelteile zerlegt, von denen viele nicht mehr tarifgebunden sind. Das Management spricht von einer »Perlenkette«. Die Frage, ob dennoch ein Gemeinschaftsbetrieb vorliegt, wurde dem Betriebsrat bislang nicht beantwortet.

Parallel ist aus der Kölner Zentrale eine umfassende »Digitale Transformation « der Zeitungsmarken angekündigt, für die 20 Mio. Euro investiert werden sollen, wohl ausschließlich in IT-Technik wie neue Anzeigen- und Vertriebssysteme. Statt weiter mit dem »Printkopf« zu denken, sollten die Redaktionen den Lesern und Usern Nutzwert auf verschiedenen Kanälen liefern, heißt es. Die redaktionelle Arbeitsweise werde sich grundlegend ändern, Arbeitszeiten von 6 bis 24 Uhr sind im Gespräch. Allerdings soll diese Verzahnung in der digitalen Medienwelt – Mobil, Web, App und Print – gestemmt werden, ohne neue Stellen zu schaffen. »Die Zeitungen dürfen darunter nicht leiden!«, fordert der Betriebsrat des Berliner Verlages. Noch mache der Konzern 85 Prozent aller Erlöse mit Print, ganze zwei mit Online. Eine Verschiebung der Gewichte dürfe nicht mit einem Qualitätsverlust bei den Druckprodukten erkauft werden. Die Interessenvertreter kritisieren mangelnde Beteiligung und dass in der angekündigten »Analyse- und Konzeptphase« bereits Tatsachen geschaffen werden sollen.

(aus dem Sprachrohr von ver.di Berlin/Brandenburg)

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