Die Ankündungen vom 28.10. sind Ausgangspunkt für umfassende Restruktutierung von MDS

change-management-poster-240x300Am 29. Oktober 2014 findet das erste Info-Gespräch über die Massenentlassungen mit dem MOPO-Betriebsrat statt. Einen Tag vorher, am 28. Oktober 2014, werden die anderen Betriebsräte der Mediengruppe M. DuMont Schauberg in Köln, Berlin und Halle über die standortbezogene Planungen informiert. Die so genannte „Perspektive Wachstum“ liegt wie Blei auf den Beschäftigten und der Führungsebene an den Standorten. Sie wissen, dass es ein Abbau- und Entrechtungsprogramm darstellt: Die geplante Zerschlagung von Betriebsräten, Kündigungen und Tariflosigkeit. Die einen schauen mit Sorge, was es für sie heißen kann; die Führungskräfte müssen es umsetzen, und fragen sich, wo sie am Ende selber landen. Aber das Ziel sind nicht diese Maßnahmen. Sie sind der Ausgangspunkt für eine umfassende Restrukturierung der Geschäftsprozesse in MDS.

Es ist ein normales Sparprogramm, das seit Frühjahr 2014 in Köln erarbeitet und in den Folgemonaten konkret geplant wurde. Das strategische Programm von Dr. Bauer ist neben der Entschuldung der Gruppe und der Kostenreduzierung, die Konzentration auf die Umsatzpotenziale in den Regionen sowie die Schaffung größerer, überregionaler Vermarktungseinheiten, und der Neuausbau des Digitalgeschäfts.

In der Region bestehen Umsatzchancen

Mit den „Regionalmedien“ oder dem „regionalen Medienhaus“ will man sich in den Umsatzfeldern auf die Region konzentrieren. Um den Umsatzrückgang in den Griff zu bekommen, in Kombination mit den digitalen Medien, will man sowohl neue Kundenbeziehungen, aber vor allem aus den bestehenden weitere Umsätzen generieren. Das Gerede von der 360-Grad-Betrachtung zielt darauf, von der Kundenperspektive aus an die Umsatzgewinnung heranzugehen.

Aufbau von Shared Services

Die Ausrichtung von Shared Services auf der einen und der Verkauf von Dienstleistungen (Business) an externe Kunden auf der anderen Seite,ist eine übliche Strategie in Unternehmen. Sie findet jetzt auch umfassend bei MDS statt. Mit den Bereichen Medien-Services und Management-Service wird der gesamte Dienstleistungsprozess neustruktutiert. „Unter dem Begriff Shared Services wird die Konsolidierung und Zentralisierung von Dienstleistungsprozessen einer Organisation verstanden. Dabei werden gleichartige Prozesse aus verschiedenen Bereichen eines Unternehmens bzw. einer Organisation zusammengefasst und von (einer) zentralen Stelle(n) oder Abteilung(en) erbracht. Die anbietende Stelle wird in der Regel als Shared Service Center, kurz SSC, bezeichnet. Die Abteilungen, welche die Dienstleistungen in Anspruch nehmen, stehen in einer Art Kundenverhältnis zum SSC. Im Unterschied zum Outsourcing, bei dem externe mit einer Dienstleistung beauftragt werden, handelt es sich bei der Shared-Service-Konstruktion um eine Art internes Outsourcing. “ (Wikipedia)

Digitale Transformationsziele bis 2016

Die digitale Transformation zielt auf die vorhandenen Zeitungstitel und deren Veränderungen bis 2016.  MDS will endlich in den digitalen Wachstumsmärkten Fahrt aufnehmen, denn heute bewegt  man sich immer noch im „klein-klein“.  Vor allem der mobile Markt und damit die „mobilen Beziehungen“ stellen eine Herausforderung dar, es mangelt an Ideen und Produkten, die auch Geld einbringen. MDS will in den einzelnen Regionen die Nummer 1 bei den News-Portalen im jeweiligen Verbreitungsgebiet sein. Für MDS nehmen dabei die Sozialen Netzwerke einen zentralen Platz ein. Die Redakteure sollen künftig auf dieser Basis mit den Lesern und Nutzern kommunizieren. Der Einsatz von Technik und Redaktion orientiert sich an der Wertschöpfung und an Wachstumschancen. Sämtliche Redakteure sollen künftig in allen Kanälen an der Erstellung und Verbreitung der (noch nicht vorhandenen) digitalen Produkte arbeiten. Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass man sich bei MDS noch in der alten Linie befindet und den Transformationsprozess immer noch und vor allem als einen redaktionellen versteht, aber eben nicht die gesamten Unternehmensprozesse.

Das vergangene Führungssystem setzte auf Erfüllung der Aufgaben

Die verschiedenen neuen Gesellschaften oder Ausgliederungen sind eine vorübergebende Erscheinung, die Unternehmensorganisation wird sich künftig weiter ändern und es wird vermutlich weniger Gesellschaften geben. Anders wird es keine effizienten Prozesse geben. Das „alte“, kostenintensive und ineffiziente System, das MDS an den Rand der Handlungsfähigkeit gebracht hat, würde sonst wieder Nahrung bekommen und alle Prozesse durchziehen. Den Weg in die Krise der Frankfurter Rundschau, geführt und gesteuert vom MDS-Vorstand, steht sinnbildlich für dieses alte System. Aber auch die anhaltende, krisenähnliche Situation am Berliner Standort. Im MDS-Management war man zufrieden, wenn man seine Aufgaben erfüllte – und genau darum geht es bei den anstehenden Organisationsveränderungen nicht mehr. Sie sollen in der Zukunft ihre Wirkung entfalten, nicht in der Umsetzung.

Unsoziale und arbeitnehmerfeindliche Unternehmensausrichtung

Mit dem jetzigen Prozess der Neuausrichtung der Geschäftsprozesse und dem Erschließen neuer Umsatzpotenziale bricht MDS mit  seinem bisherigen Ansatz, eine sozialpartnerschaftlichen Umgangsform zu suchen. Selbst wenn man unterstellt, dass es in Umbruchsituationen zu temporär anderen kommt: Auch danach wird man sich nicht mehr an Tarifsystemen oder einer seriösen Zusammenarbeit mit Interessenvertretungen und Arbeitnehmern orientieren. Hier geht es um das liebe Geld und das kommt aus dem Geschäft, nicht aus der Freundlichkeit gegenüber seinen „lieben Mitarbeitern“.

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Ein Kommentar zu “Die Ankündungen vom 28.10. sind Ausgangspunkt für umfassende Restruktutierung von MDS

  1. Es ist der traurige letzte Akt im Drama eines einst großen Verlegers. Alfred Neven steht vor den Trümmern seines Lebenswerks. Die Dumont Mitarbeiter vor den Trümmern ihrer Lebensplanung.

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