Gemeinsame Erklärung von Betriebsräten der Mediengruppe M. DuMont Schauberg

mdsbrAm 26. September hat Herr Dr. Bauer die Pläne für eine Restrukturierung des Hauses M. DuMont Schauberg vorgestellt. Der Vorstand will Verantwortlichkeiten neu ordnen, Arbeit anders verteilen, Kosten senken, damit der Konzern am Ende wieder auf einer soliden finanziellen Grundlage steht. Niemand hat daran ein größeres Interesse als wir: Für uns geht es um die berufliche Existenz. Die Betriebsräte der Mediengruppe erkennen das Bemühen des Vorstands, einheitliche Strukturen zu schaffen und manches Wirrwarr aufzulösen. Wer von einheitlichen Standards spricht, spricht – natürlich – von Synergieeffekten. Personal soll abgebaut werden, in einigen Bereichen etwas weniger, in anderen umso mehr.

„Perspektive Wachstum“, wie der Vorstand seine Strategie nennt, ist bisher nur ein Versprechen, oder wenn man es weniger freundlich formuliert: eine leere Worthülse. Im Vordergrund steht vorerst Abbau: Abbau von Arbeitsplätzen und von sozialen Sicherheiten. Damit es dem Unternehmen irgendwann wieder besser geht, sollen die Beschäftigten hier und heute Verschlechterungen in Kauf nehmen.

Das kann kein Weg sein, die Kolleginnen und Kollegen zu motivieren. Ohne ihre Ideen, ohne ihr Engagement geht gar nichts. Und darüber hinaus hat die Aufsplitterung unserer Betriebe in kleine und kleinste Einheiten ganz offensichtlich noch ein zweites Ziel: Die betrieblichen Interessenvertretungen sollen geschwächt werden. Wir erwarten vom Vorstand und von den Geschäftsführern in den einzelnen Gesellschaften, dass sie sich der Herausforderung stellen, und das heißt:

  1. Bis zum Abschluss von Sozialplänen mit uns Betriebsräten dürfen an den einzelnen Standorten keine personellen oder gesellschaftsrechtlichen Maßnahmen umgesetzt werden.
  2. Es darf keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Andere, sozialverträgliche Lösungen können gefunden werden, wenn sich beide Seiten darum ernsthaft bemühen. Dies haben wir als Betriebsräte immer wieder erlebt. Natürlich ist das kein leichter Weg, aber von Managern darf man erwarten, dass sie sich der Verantwortung für ihre Mitarbeiter/innen stellen.

Wir sehen, wie die Auflage der Printtitel schrumpft und wie die Anzeigenerlöse zurückgehen. Wir wissen, dass die Existenz unseres Hauses gefährdet ist, wenn wir die digitale Transformation nicht gewinnbringend bewältigen. Wir müssen rund um die Uhr etwas anzubieten haben und nicht nur einmal morgens, wenn die Zeitung im Briefkasten steckt oder am Kiosk liegt. Wir müssen Mobile, das wichtigste Trägermedium der näheren Zukunft, für uns erschließen, auch wenn es noch kein Geschäftsmodell dafür gibt, weil weder durch Anzeigen noch durch den Vertrieb das nötige Geld hereinkommt.

Wir sind darauf angewiesen, dass wir für die werbetreibende Wirtschaft attraktiv bleiben oder wieder attraktiv werden. Wir müssen neue Leser und „User“ für uns gewinnen, die wir mit Qualitäts-Journalismus, wie ihn die meisten von uns kennengelernt haben, nicht mehr erreichen. Wir dürfen bei allem Experimentieren mit neuen Formen nicht vergessen, dass es unsere Inhalte sind, auf die es ankommt. Wir dürfen unser umsatzstärkstes Medium, die Zeitungen, nicht vernachlässigen. Wir müssen darauf achtgeben, dass wir die Leser, die wir haben, nicht überfordern oder gar abstoßen mit den Veränderungen, die wir vornehmen.

Nichts davon kann gelingen, wenn die Beschäftigten die Veränderungen als eine Bedrohung begreifen. Nur zusammen mit den Belegschaften kann der Wandel gelingen. Die Kolleginnen und Kollegen müssen mobilisiert und eingebunden werden. Und gerade weil ihnen viel zugemutet wird, brauchen sie die Sicherheit, dass ihre Interessen gewahrt bleiben.

Aus früheren Gesprächen mit Herrn Dr. Bauer haben wir den Eindruck gewonnen, dass er zum Dialog mit uns Betriebsräten bereit ist. Wir werden das Gespräch mit dem Vorstand und den Geschäftsführern suchen.

Köln, Halle, Berlin und Hamburg, 21. Oktober 2014

Betriebsrat M. DuMont Schauberg, Köln
Betriebsrat MDVH / MZ Druckereigesellschaft, Halle
Konzernbetriebsrat Berliner Verlag, Berlin
Betriebsrat Morgenpost Verlag, Hamburg
Betriebsrat Kölnische Rundschau, Köln
(Übergangsmandat Rheinische Redaktionsgemeinschaft)
Betriebsrat DuMont Redaktionsgemeinschaft, Berlin
Gesamtbetriebsrat DuMont Systems, Hamburg

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