Kommentar: Was als „Wachstum“ dargestellt wird, soll vor Ort ein Sparprogramm werden

weddamitAm vergangenen Freitag hat der Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg sein Restrukturierungsprogramm vorgestellt und dabei von einer „Perspektive Wachstum“ geredet. Doch bei genauerer Betrachtung wird sichtbar, dass es sich um ein reines Sparprogramm handelt, um die Kosten der Gruppe zu reduzieren. Der Vorstand will nicht den Fehler der Mediengruppe Madsack mit ihrem Programm „Madsack 2018“ wiederholen und ein Abbau-Volumen kommunizieren, was den Protest der Beschäftigten hervorgerufen hat. So war es auch  im September 2013 in Köln, als ein Abbau von 84 Stellen angekündigt wurde. So ist es aktuell, September 2014  in der Hamburger Morgenpost, wo der größte Personalabbau in der Verlagsgeschichte des Unternehmens seit 1979 erfolgen soll.

Durch das Gerede von einem „Wachstumsprogramm“ soll die Wahrnehmung von MDS nach innen und nach außen positiv erscheinen und die späteren der Abbau-Maßnahmen rational erscheinen. Die einzusparenden Millionen ergeben sich aus den formulierten Zielen des  so genannten „Ergebnisverbesserungsprogramm“, dass nichts anderes als eben ein Sparprogramm ist. Seit Monaten steht die neue Organisationsstruktur, sind Anwaltskanzleien damit beauftragt, den konkreten Abbau-Prozess zu beschreiben und sind die Einspareffekte berechnet worden. In Hamburg hat ihnen der Betriebsrat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier wollte man nach der Verkündung am Freitag ab dem 1. Oktober 2014 auf die Belegschaft zugehen und das geplante sollte als „unausweichliche“ Maßnahmen erscheinen lassen.

Am vergangenen Freitag wurde nicht in einem Punkt etwas über ein Wachstumsprogramm gesagt. Gegenüber den zuhörenden Beschäftigten wurde von Herausforderungen gesprochen, die man angehen muss, weshalb es zu einer Änderung der Organisation in die bekannte Felder „Regionalmedien“, „Fachmedien“ und „Digitales“ komme. Die Umsetzung dieser neuen Organisation erfolgt durch Zentralisierung von Prozessen, durch Betriebsspaltung und Neugründung verschiedener Gesellschaften. Es wurde zwar betont, dass Kundennähe ein zentrales Kriterium ist, aber kaum jemand wird bestreiten, dass es die schon vorher gegeben hat in den Kerngeschäftsfeldern wie des Anzeigen- und Vertriebsmarktes.

MDS hat ein, davon sprach der Vorstandsvorsitzende, existenzielles Problem, dass ist auch die Sicherung der Existenz der Gruppe. Während der Umsatz fällt, steigen die Kosten, wie ein Vergleich der Bilanzen zeigt. MDS verfügt nicht über die finanzielle Feuerkraft, die man zum „Umsteuern“ und „Kaufen“ benötigt. Die angekündigten 20 Mio. € Investitionen werden zum einen die Abbau-Kosten für die Beschäftigten zum Gegenstand haben sowie die Korrektur von Fehlentscheidungen in technische Systeme. Es wird zum Ausbau/Kauf eines einheitlichen Verlagssystem  kommen, bisher sind es verschiedenen an fast jedem Standort.

Heute ist klar, dass Wachstum nur über externes Wachstum, also Aufkauf erfolgen kann. Mit 20 Mio. € hätte man wenig Mitteln, um ins Geschäft zu kommen. MDS muss Kosten sparen, muss sich ein Art „Backoffice“ für den laufenden Produktionsprozess schaffen und dabei hofft, dass die Umsätze nicht zu tief in den Keller gehen. Ein „Backoffice“ für Kauf, dass hat MDS mit den Käufen der Frankfurter Rundschau, dem Berliner Verlag und der Hamburger Morgenpost bewiesen, hatte die Gruppe bisher nicht. Noch mehr: MDS war nicht in der Lage, dass gekaufte Wachstum zu konsolidieren. Es ist den Weg in die Unternehmenskrise gegangen (FR, Berliner Verlag) und steht immer noch dessen Rand.

Der Weg der eingeschlagenen Expansion seit dem Kauf der FR ist gescheitert. MDS steht auch am Scheideweg: Am Ende bleibt es bei den erfolgreichen Aktivitäten in Halle und den dann optimierten Abläufen in Köln, den Medienhäusern Köln und Halle.  Berlin und Hamburg wird früher oder später Verkaufsportfolio.

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