Leiharbeitsfirma Laborage in Köln auf dem Weg zu einem Betriebsrat

Beim Leiharbeitsunternehmen Laborage in Köln, einer Beteiligung der Mediengruppe DuMont Schauberg hat sich jetzt ein Wahlvorstand über den Weg einer Betriebesversammlung gebildet, an der rund 130 Arbeitnehmer/innen sich beteiligten. ver.di bei MDS-Köln schreibt darüber:

„Leiharbeit boomt. Rund 900.000 Beschäftigte arbeiten in diesem Bereich, der weiter starke Zuwächse hat. Dabei sind die Arbeitsverhältnisse in vielen Leiharbeitsfirmen problematisch. Arbeit auf Abruf, ohne planbare Freizeit, unregelmäßige Bezahlung, nicht gegebener Urlaub, plötzlich anfallende Überstunden gehören zu den häufigsten Ärgernissen. Laut einer aktuellen Umfrage ist jeder zweite Beschäftigte in Leiharbeitsfirmen unzufrieden und auf der Suche nach einem anderen Job.

Dabei spielt es auch eine Rolle, dass es nur in den wenigsten Leiharbeitsfirmen einen Betriebsrat gibt. Die Mitbestimmungsrechte des Betriebsverfassungsgesetzes, die gerade auch die Mitsprache bei der Arbeitszeit, beim Urlaub und bei anfallenden Überstunden umfassen, können aber nur durch Betriebsräte durchgesetzt werden. Unsere Gewerkschaft ver.di unterstützt deshalb ausdrücklich alle Bestrebungen, in Leiharbeitsfirmen Betriebsräte zu gründen.

Am vergangenen Donnerstag haben die Kolleginnen und Kollegen der Leiharbeitsfirma Laborage den ersten Schritt auf diesem Weg gemacht. Auf einer Betriebsversammlung, an der etwa 130 Beschäftigte teilnahmen, wählten sie einen Wahlvorstand, der jetzt die Betriebsratswahl einleiten wird. Die meisten Stimmen entfielen auf die Kolleginnen Sonja Hasselmeyer und Carmen Schönbeck und auf den Kollegen Walter Bauer. Die gewählten Wahlvorstandsmitglieder genießen schon jetzt den besonderen Schutz des Betriebsverfassungsgesetzes.

Auf der Betriebsversammlung gab es einige turbulente Szenen. Eine handvoll Beschäftigter versuchte die Wahl zu verzögern, wurde jedoch von der überwältigen Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen gestoppt. Es ist bekannt, dass die Geschäftsführung von Laborage einen Betriebsrat für »überflüssig« erachtet. M. DuMont Schauberg ist zusammen mit dem Bundesanzeiger Verlag der wichtigste Kunde der Laborage GmbH und gleichzeitig zu einem Drittel am Unternehmen beteiligt.“

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6 Kommentare zu “Leiharbeitsfirma Laborage in Köln auf dem Weg zu einem Betriebsrat

  1. Schade, dass dieser Firma durch Verdi dermaßen geschadet wird. Laborage ist ein Personalunternehmen. Was soll bitte hier ein Betriebsrat ausrichten? Schauen ob die pünktlich zahlen? Tun sie. Schauen ob sie Urlaub nach Tarif geben? Tun sie. Schauen ob die Mitarbeiter versichert sind? Sind sie. Ein Betriebsrat kann hier nichts machen, ausser hohe Kosten verursachen. Ganz schlimm, wir sind bei dem Kunden von Laborage eingesetzt. Hier hat “unser” Betriebsrat NICHTS zu melden. Gar nichts! Die dumme Masse hat das nicht kapiert. Und das kann so ein kleines Unternehmen fast nicht stemmen. Die Leute auf der Versammlung wollten keine Gegenmeinung hören. Wie dumm war das? Vor Gericht hat jeder “Angeklagte” das Recht auf Verteidigung. Verdi hat das Recht auf freie Meinungsäußerung ausser Kraft gesetzt! Verdi hat sein schmutziges Ziel erreicht. Nämlich Neumitglieder gewonnen. Die Firma kaputt gemacht. Ich habe gerne für Laborage gearbeitet. Aber mein Vertrag wird sicher nicht mehr verlängert. Danke Verdi.

    • Was ein Quatsch. Wer denkst du zahlt die Ausfallzeiten der Betriebsratsmitglieder, zahlt für Schulungen und Weiterbildungen, für ein Büro, für Ausstattung etc.? Umsonst ist hier nichts! Und dann, wir sind bei Kunden eingesetzt, da kann kein Laborage-Betriebsrat etwas machen. Wie blauäugig siehst du das? Alles andere wie Tarif, Gleichberechtigung ist bereits geregelt. Laborage als Zeitarbeitsfirma hat einen Tarif den es erfüllt. Bisher wurden wir wohlwollend und zuvorkommend behandelt, teils kam man uns auch sehr flexibel und unbürokratisch entgegen. Ein Betriebsrat ist für ein kleines Zeitarbeitsunternehmen wie Laborage ein Unding. Es gibt dann mehr Leute im Betriebsrat als interne Mitarbeiter. Denk mal nach und rede nicht so schlau. Schau hinter die Kulissen und mach dir Gedanken, was ein Betriebsrat hier machen kann.

      • Vielleicht hilft Dir ein Blick ins Betriebsverfassungsgesetz… Die Anzahl der Betriebsräte ist abhänigig von der Zahl der Beschäftigten. Da ihr ein kleiner Betrieb seid, brauchst Du Dir ja um viele BR und deren Unkosten keine Sorgen zu machen. Freistellungen gibt es dann auch keine.
        Aber Deinem Arbeitgeber kann man so einer kostenbewussten Mitarbeiterin nur gratulieren. Er dankt es Dir sicher!

      • Petra, schau mal auf die HP von Laborage. Da arbeiten im Stammteam 3 Disponenten und 1 Assistentin. Bei geschätzten 199 gesamten Mitarbeitern stehen dem 7 (!!!) Betriebsräte gegenüber. Bei mehr als 200 sind es dann 9 wovon einer sogar freigestellt ist. Soweit ich weiß, hat Laborage oben 1 Büro, wo kein Platz mehr ist. Unten am Eingang ist ein Besprechungsraum, in dem ich mein Vorstellungsgespräch hatte und wo aktuell Beratungen gemacht werden, sowie ein kleines Büro für einen Vorarbeiter. Also muss ein Raum gemietet werden. Das kostet. Plus alles andere was ich schon mal aufgeführt habe, Du scheinst sehr blauäugig zu sein, wenn ich dein Geschreibe so lese. Du scheinst nicht zu begreifen, dass Zeitarbeitsfirmen durch Flexibilität überleben. Laut Betriebsverfassungsgesetz hat der Betriebsrat 1 Woche Zeiit über Einstellungen nachzudenken. Was glaubst du wie viele Kunden das mitmachen? Durch Verdi wird hier ein bisher tolle Firma in den Abgrund getrieben. Und ihr schnallt es nicht. Flexibilität: es wurde von der Kollegin im Büro immer auf Wünsche der einzelnen Mitarbeiter geachtet. Der Eine konnte die Schicht nicht, der Andere die andere nicht. Mit Betriebsrat- gleiches Recht für alle. ich habe sowas schon mal erlebt, das geht in die Hose. Gratuliere dir zum Halb- und Nichtwissen.

  2. Eine Firma geht nicht kaputt indem ein Betriebsrat seine Arbeit aufnimmt. Wenn Dein Arbeitsvertag befristet war, wäre er auch ohne Betriebsrat ausgelaufen, falls keine Arbeit da ist. Ist Dein Vertrag mit Laborage aber unbefristet und der Arbeitgeber will Dir kündigen, brauchst Du Deinen Betriebsrat, damit er sich für Deine Rechte einsetzt, die u.a. auch Arbeitsschutz, gerechte Entlohnung ( gleiche Bezahlung von Mann und Frau) und Einsatz gegen Ungleichbehandlungen umfassen. Urlaub und Versicherung sind sowieso in Gesetzen verankert und der Arbeitgeber weiß, dass er diese auch ohne Betriebsrat einhalten muss. Aber der Betriebsrat kann mehr und da er das ehrenamtlich macht, kostet er der Firma auch kein Geld. Sei lieber dankbar, dass es Kollegen gibt, die sich auch für Dich engagieren und ver.di Euch unterstützt.

    Nimm Dir mal eine Viertelstunde Zeit darüber nachzudenken. Das schaffst Du schon!

  3. Wenn ich aus dem hohen Norden von der Ostsee-Küste auch etwas dazu sagen kann: Als ver.di haben wir Erfahrungen mit Betriebsräten in Leih-/Zeitarbeitsfirmen, ob nun bei den großen oder auch den mehr regionalen oder branchenorientierten. Sicher verändern sich für ein Unternehmen Abläufe, wenn es einen Betriebsrat gibt. Die „Chefs“ müssen prüfen, was sie noch alleine ansagen können, es wird passieren, dass strittige Themen, über die Arbeinehmer/innen sauer sind, auf den Tisch eines Betriebsrats kommen. Dies ist ein Gewinn an Zusammenarbeit, weil Sachen geklärt werden. Die Zeit, die ein Betriebsrät verbrät, spielt im wirklichen Unternehmensleben keine Rolle, höchstens die Aufreger freßen Zeit – das begreifen manche Arbeitgeber nicht – und sie haben dann genau das Problem, was sie selber hervorgebracht haben, weil sie meinen, mit (Beziehungs)Macht etwas durchzusetzen. Solche Deppen soll es geben, aber eben der falsche (Unternehmer)Weg. Ich kenn die Kulissen von Laborage natürlich nicht, aber bei bis zu 99 Arbeitnehmer/innen gibt es fünf, über 100 sieben Betriebsratsmitglieder. Diese Kulissen kann man fast ausrechnen ;-). Es geht soch gar nicht um die Zeit, die man für Lösung von ungelösten Themen verwendet, es geht darum, das es einen Betriebsrat geben soll. Für die deutsche Wirtschaft ist das, glaubt man den Bossen in Deutschland, ein Glücksfall.

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