Öffentliche Aktionen des Betriebsrat von MDS Köln am Montag

Am kommenden Montag will der Betriebsrat von MDS Köln in aller Öffentlichkeit um göttlichen Beistand bitten und am späten Nachmittag eine Kerze vor der Schwarzen Mutter Gottes in der Kölner Neven-DuMont-Straße entzünden. Mit einem Gebet an die Schwarze Mutter Gottes erhofft sich der Betriebsrat, ’sie möge den Mantel ihres mächtigen Schutzes ausbreiten und damit alle schützen, die Zuflucht zu ihr nehmen‘, wie es in einer Mitteilung heißt. Der Verlag will wegen des Rückgangs beim Anzeigenumsatz mindestens 84 Stellen in Verwaltung, Verlag und Druckzentrum streichen. Betriebsrat Werner Krause zeigt sich darüber entsetzt: ‚Das ist ein Tabubruch. Betriebsbedingte Kündigungen gab es noch nicht. Wir haben bisher versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden und wollen auch jetzt Eigentümer und Geschäftsführung von Alternativen überzeugen.‘ Bisher wurden Stellen bei M. Dumont Schauberg vor allem über Abfindungen abgebaut. Verlagssprecher Wolfgang Brüser lehnte eine Stellungnahme zu der Aktion des Betriebsrats ab.

In einem Flugblatt, das am 11.11. an die Bevölkerung, an Leser der Kölner DuMont-Zeitungen und an solidarische Mitdemonstranten verteilt werden soll, kann man u.a. folgendes lesen:

„Der Kölner Zeitungsverlag M. DuMont Schauberg (»Kölner Stadt-Anzeiger« und »Express«) will zum kommenden Jahr 84 Kündigungen aussprechen. Fast alle Beschäftigten, die davon bedroht sind, arbeiten seit über zwei Jahrzehnten bei DuMont. Viele sind schwerbehindert und älter als 50 Jahre. Zu alt für den Arbeitsmarkt, zu jung für die Rente. Betriebsbedingte Kündigungen in diesem Ausmaß gab es nie zuvor in der Geschichte von DuMont Schauberg!

Im vergangenen Jahrzehnt wurde die Belegschaft zwar von fast 2000 auf weniger als 900 Beschäftige mehr als halbiert, aber es gelang stets, den Personalabbau sozialverträglich abzufedern. Außerdem soll es für viele andere DuMont-Mitarbeiter 2014 drastische Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen geben. Große Abteilungen sollen in Niedriglohn-Firmen ausgegliedert werden. Der Verlag begeht damit Tarifflucht. Davon soll nach dem Willen der Geschäftsführung rund jeder vierte Beschäftigte betroffen sein.“ Auch deshalb werde man am 11.11. vor der Schwarzen Muttergottes in der Kupfergasse eine Kerze anzünden

Alfred Neven DuMont, einer der reichsten Männer Deutschlands, habe sich offenbar verspekuliert. Die Übernahme der Frankfurter Rundschau und des Berliner Verlages hätten seiner Mediengruppe riesige Verluste gebracht. „Für diese Verluste sollen die Beschäftigten des Kölner Verlages nun bluten“, so das Flugblatt. Dabei schreibe der Verlag in Köln nach wie vor schwarze Zahlen.

Am Tag nach dem Besuch bei der Schwarzen Muttergottes „werden wir, der Betriebsrat von M. DuMont Schauberg, mit der Geschäftsführung über die geplanten Maßnahmen beraten. Wir haben die Geschäftsführung aufgefordert, die Kündigungen zurückzuziehen und mit uns gemeinsam sozialverträgliche Regelungen zu finden. Wir werden eigene Einsparvorschläge von erheblichem Umfang unterbreiten und hoffen, die Geschäftsführung zu einem Umdenken zu bewegen.

Nach gutem Kölner Brauch stellen wir heute – am Namenstag von St. Martin, der seinen Mantel mit einem Armen teilte – in der Kupfergasse eine Kerze auf – in der Hoffnung, dass wir bei den Beratungen mit dem Unternehmen morgen ein gutes Ergebnis für unsere Kolleginnen und Kollegen erreichen. Als wir noch in der Breite Straße produzierten, waren der Kölner Stadt-Anzeiger und die Schwarze Muttergottes Nachbarn. Ihren Beistand können wir morgen brauchen. Wir wollen die Kündigungen und die Zerschlagung des Verlages verhindern!“

Hier die Presse-Info des Betriebsrats von MDS Köln im Wortlaut

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