FR-Krise das Ergebnis einer unerwarteten Entwicklung?

In der letzten Ausgabe von mds intern aus dem Januar 2013 wird sich mit der Insolvenz der Frankfurter Rundschau beschäftigt. Der Insolvenzantrag wird mit der Wucht der aktuellen Entwicklungen im Zeitungsmarkt begründet. Hinzu sei der unerwartete Anzeigenrückgang gekommen. Bei einem Anzeigenumsatz von minus 35 % (der FR von 2006 – 2010) davon zu sprechen, dass man von der Dimension keine Vorstellung hatte, dürfte eher unwahrscheinlich klingen. Auf dem Neujahrstreff der MDS -Führungskräfte 2013 wird sogar davon gesprochen, dass man die Marktentwicklung nicht vorhersehen konnte. Wir haben uns die Bilanzen der FR über die letzten fünf Jahre angesehen und möchten auf ein zentrales Problem aufmerksam machen: das der vollmundigen Erklärungen und die sich mit jedem Jahr wiederholende falsche Einschätzung der Markt- und Unternehmenslage, so unsere Meinung.

2006: Mit neuem Gesellschafter kommt frisches Geld in die FR
Am 17. Juni 2006 steigt DuMont Schauberg mit 50 Prozent der Anteile und einer Stimme in die Frankfurter Rundschau ein. Im August 2006 wurde eine „Offensive 2008“ beschlossen. Ziel ist, 2009 ein operativ positives Ergebnis zu schreiben. Der Verlust 2006 beträgt – 15,6 Mio. €. Für 2007 rechnet man insgesamt mit einem Verlust von – 9,7 Mio. €, 2008 mit – 8,9 Mio. €.

2007: In Erwartung steigender Vertriebsumsätze und Online -Umsätze
2007 erscheint die FR im Tabloid Format. Erwartet wurde, dass es damit „zur Steigerung der Vertriebserlöse“ kommt. Der Vertriebsumsatz bleibt nicht stabil, geht um 2,0 Prozent zurück. Die Anzeigenerlöse gehen um- 1,1 Prozent zurück. Das Ergebnis 2007 landet bei – 17,5 Mio. € (Plan – 9,7 Mio. €). Die mittelfristige Planung wird überarbeitet. Statt – 8,9 Mio. € für 2008 rechnet man jetzt mit einem Verlust von – 11,8 Mio. €. 2009 soll der Verlust auf – 3,3 Mio. € reduziert werden.

2008: Die große Weltwirtschaftskrise durchkreuzt Planungen

Der Vertriebsumsatz sinkt um 1 Prozent. Die Anzeigenumsätze gehen laut Bilanz um – 3,8 Prozent zurück, eine Folge der Weltwirtschaftskrise. Am Ende des Jahres realisiert man einen Verlust von – 16,7 Mio. € (Plan – 11,8 Mio. €). Für 2009 rechnet man mit einem Verlust von – 12 Mio. €, 2010 will man dann einen Verlust von – 5 Mio. € erreichen.

2009: Alles nur Gerede – von wegen Trendwende
Die Vertriebsumsätze sind wieder gesunken. 2009 sinken auch noch die Online -Erlöse (von 1,3 Mio. auf 1,1 Mio. €). Rezessionsbedingt sind die Anzeigenumsätze um – 20,3 Prozent gesunken, geplant waren – 4,4 Prozent (in einer Weltwirtschaftskrise!). Das Ergebnis 2009 landet bei – 24,1 Mio. € (Plan – 12 Mio. €). Das Ziel der „Offensive 2008“, schwarze Zahlen im operativen Geschäft 2009 zu erreichen, ist Schnee von gestern.

2010: Man plant weiterhin eine baldige „schwarze Null“
Das Ergebnis 2010 landet bei – 18,3 Mio. €. Die Vertriebsumsätze sind weiter um 2,5 Prozent zurückgegangen. Die Anzeigen gehen um – 8,8 Prozent zurück. Für 2011 rechnet man mit einem Rückgang der Anzeigenumsätze um – 3 Prozent, 2012 sollen es – 1 Prozent sein. 2011 soll der Verlust bei – 15,8 Mio. € landen. 2012 soll die Wende kommen und die schwarze Null mit – 1,5 Mio. € erreicht werden.

2011/2012: Alles wird gut, wenn man es nur plant
Für 2011 und 2012 liegen die Zahlen nicht vor bzw. sind noch nicht publiziert worden. Für 2011 wird ein Verlust von – 16,4 Mio. € gehandelt. In einem Gespräch mit der FAZ im Mai 2012 prahlt FR -Geschäftsführer Kroke: „Die Verluste – rein auf das Produkt Frankfurter Rundschau gerechnet – … könnten im laufenden Jahr vielleicht auf vier Millionen halbiert werden. Anlass zum Optimismus gäben die Zahlen für die ersten vier Monate 2012.“

Sieht man die publizierten Zahlen, kann man sagen, dass die beiden Gesellschafter keine wirkliche Vision von der Zukunft der FR hatten und damit über erforderliche Ziele verfügten. Man plante, machte, verbrannte Geld, aber mit einer realistischen Perspektive hatte das weniger zu tun. Damit reihen wir uns nicht ein in die Front derer, die sagen, Managementfehler haben die FR -Krise verursacht. Es ist für Unternehmenskrisen eben bezeichnend, dass sie keine Visionen für die Zukunft hatten, auf denen die Strategie der FR basierte. Die Marktentwicklung und unsere Reflektion der Bilanzen verdeutlichen uns das.

(aus BR-Info MOPO 8.3.2013)

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