Der Beschluss zum Ende der MOPO (1979)

Der ehemalige Betriebsratsvorsitzender der Hamburger Mprgenpost, Hansjürgen Nordhoff, erinnerte sich 2009 an die Entscheidung der SPD, die MOPO einzustellen. „Ungläubig bis fassungslos reagierten die 144 Kolleginnen und Kollegen von MOPO-Verlag und –Redaktion 1978 auf die Nachricht: Die SPD will die MOPO verkaufen und deren (eigenständige) Auer-Druckerei mit etwa 160 Beschäftigten dichtmachen. Die Fragen: Wer verscherbelt eine profitable Zeitung? Wie geh es weiter? Wer soll einsteigen? Was wird aus dem linksliberalen Kurs? Und die Arbeitsplätze?

Es war kein Geheimnis, dass Auerdruck kränkelte – schon seit Mitte der sechziger Jahre. Damals hatte die Auer-Leitung die Forderung ihres Großkunden „Spiegel“ nach modernen Druckverfahren in den Wind geschlagen. Die Herren dachten hochnäsig, dass in Hamburg niemand an Auer vorbei käme. Der „Spiegel“ fand jedoch eine Druckerei in Ahrensburg, später in Itzehoe. Und Auer war nie wieder ausgelastet.

Bei der MOPO gab es 1978 und 1979 nahezu wöchentlich neue Nachrichten über Verhandlungen des SPD-Schatzmeister Friedrich Halstenberg mit Verlegern, über gescheiterte Gespräche, über neue Ideen, geradezu abenteuerliche Gedanken. In diesem Tohuwabohu haben die Kolleginnen und Kollegen in unermüdlichem Einsatz immer wieder eine gute Zeitung hingekriegt.

Daran änderte sich auch nicht, als sich Chefredakteur Conrad Ahlers (SPD-MdB), neun Monate vor dem Aus (1), verabschiedet hatte. Ein Jahr vorher wollte er noch „bleiben, bis alles geklärt ist.“ Sechs Monate nach Ahlers packte Verlagsleiter Bernd Klosterfeld die Koffer. Dagegen solidarisierten sich viele Betriebsräte und Redaktionen mit den MOPO-Beschäftigten. Rundfunk und Fernsehen, weit über Hamburg hinaus, fragen ständig: „Was macht ihr jetzt? Wie geht es weiter?“

Briefe des Betriebsrats (BR), zum Beispiel an Willy Brandt und Herbert Wehner, wurden mit dem Hinweis „leider nicht zuständig“ beantwortet. Gerade Herbert Wehner (MdHB), hatte wir mehr erwartet: Er war 1946 Redakteur beim „Hamburger Echo“( SPD) im Pressehaus – das Blatt wurde heute vor rund 40 Jahren zusammengefaltet.
Auch die Bevölkerung engagierte sich, nicht nur mit einer Flut von Leserbriefen. Zu einer Podiumsdiskussion von IG Druck und Paper sowie dju um Curio-Haus, Motto „Rette die Morgenpost“, kamen im Juni 1979 Hunderte. Am Tisch saßen auch Ortwin Runde (SPD-Vize HH), Manfred Bissinger (Senatssprecher), Günter Wallraff und ein MOPO-BR. Ergebnis: Viel Zorn und Solidarität, keine Rettung.

Ein ganz fieses Ding leisteten sich die MOPO-Beauftragten der SPD Mitte November 1979: Etwa 25 Leute sollte auf die Schnelle zum Jahresende gekündigt werden – so dass sie Weihnachten auf der Straße stehen. Der BR führte mit jedem/jeder Betroffenen ein persönliches Gespräch, vor allem über deren soziale Lage. Der BR arbeitete so schnell, dass er nur sechs der ihm zustehenden sieben Tage zur Stellungnahme und zur Ablehnung brauchte. Dennoch war der Kündigungs-Termin überschritten. Die Freude der Arbeitnehmer war riesig, dauerte nicht lange: Am 19. Dezember bekamen alle die Kündigungen.

Eine Frage ist aber immer noch offen: Wie konnten die MOPO-Käufer, die Greif-Brüder aus Basel, die von Presse nur ein Anzeigenblatt kannten und die Gehälter am liebsten per Verrechnungsscheck am späten des 31. zahlten, die MOPO sechs Jahre über Wasser halten? Warum konnte die SPD das nicht? Bürokraten – welcher Couleur auch immer – sollten doch lieber Zeitung lesen als machen.

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