Zum Kauf der MOPO durch MDS 2009

Der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg (MDS) hat die MOPO gekauft. Damit wechselte unsere Zeitung in ihrer Geschichte jetzt zum siebten Mal den Besitzer. Im Gefüge der Mecom-Blätter ist die MOPO ein Ergebnisträger, d.h.: Ohne uns ginge es Mecom schlechter. Mit dem neuen Erwerber übernimmt eine große deutsche Zeitungsgruppe die MOPO. Zu MDS gehören so erfolgreiche und traditionsreiche Zeitungstitel wie der Kölner Stadtanzeiger, die Mitteldeutsche Zeitung und der Kölner Express. Zur Gruppe gehört mehrheitlich aber auch die bedeutende Frankfurter Rundschau. Mit dem Erwerb der MOPO und des Berliner Verlages steigt die Nummer vier im deutschen Zeitungsmarkt, MDS, auf den dritten Platz auf. Der MOPO-Betriebsrat: Wir sind gespannt auf den neuen Eigentümer und freuen uns, dass die MOPO zu einem attraktiven Schmuckstück geworden ist, in das gestandene Verleger investieren und nicht nur windige Anleger. Über den Kaufpreis gibt es bisher keine Informationen, aber Medien gehen von rund 160 Mio. Euro aus. Damit dürfte Montgomerys Mecom einen kleinen Schritt beim Schuldenabbau vorangekommen sein. Zwei Jahre lang haben wir uns von Mecom den Unsinn von der großen europäischen Zeitungsgruppe und deren erfolgreicher Strategie anhören müssen – ein deutlicher Beweis dafür, dass man mit hohlen Worten und teuren Beratern allein nichts ändert. Entscheidend ist, wie man am Markt ausgerichtet ist. Und entscheidend ist auch, ob die Belegschaft den Kurs trägt! Kein Zeitungsverleger hat sich bisher bei seinen Mitarbeitern so unbeliebt gemacht wie David Montgomery. Und keiner hat sich so nachhaltig lächerlich gemacht wie Montgomery mit seinen Slogans vom Content Management und der Online-Strategie – denn es folgten nie die entsprechenden Taten. Das ist für uns Geschichte. Wir sind ihn los. Unsere Abschiedsbotschaft an Montgomery: Ziehen Sie mit ihrer katastrophalen Unternehmensstrategie nicht die anderen Titel in Europa noch mehr in die Krise. Verkaufen Sie das alles einfach, lassen Sie alle zehn Finger vom Zeitungsmarkt und genießen Sie ihr Ferienhaus in Umbrien.

Der neue Erwerber hat ein Schmuckstück gekauft, das ein starkes Ergebnis abliefert. Der Mecom-Weg war die Rendite-Befriedigung der Anleger. Die Schulden von Mecom mussten durch unsere Ergebnisse mit abgedeckt werden (104 Mio. € in der letzten Bilanz an Finanzverbindlichkeiten für die deutsche Mecom Holding). Statt die Gewinne in die MOPO und den Berliner Verlag zu investieren, wanderte die erarbeitete Leistung nach London. Seit 2006 hatte Montgomery erklärt, dass der Aufsichtsrat die Mittel für ein neues MOPO-Redaktionssystem beschlossen hatte. Wir alle kennen die Geschichte. Und wir alle kennen unsere uralten und ständig zusammenbrechenden Rechner.

Die jetzt anstehenden redaktionellen Herausforderungen ergeben sich zum einen aus den Bedingungen in Hamburg, zum anderen aus der Sichtweise der Redaktion. Wir sind die dritte Zeitung am Markt, der durch starke Konkurrenz geprägt ist. Die Wettbewerber haben ihre Produkte aufgewertet wie z.B. durch das Hanse Journal als eigenständiger Wochenendbeilage. Axel Springer hat im Online-Bereich das Stadtportal hamburg.de mehrheitlich gekauft und ist an Hamburg 1 beteiligt. Manch einer unserer MOPO – Kolleginnen und Kollegen ist in jüngster Vergangenheit den Lockrufen des großen Hauses gefolgt, was die Sache für uns auch nicht leichter macht. Redaktionsintern wurden in der MOPO in den letzten Jahren die frei werdenden Stellen nicht so wieder neu besetzt wie es für den starken Wettbewerb und die Stellung der MOPO in der redaktionellen Auseinandersetzung mit den Hamburger Konkurrenten erforderlich gewesen wäre. Nur der herausragende persönliche Einsatz eines jeden im Haus (ob Redaktion oder Verlag) hat es ermöglicht, dass die MOPO konkurrenzfähig geblieben ist. Ohne dieses außerordentliche Engagement der Belegschaft hätten wir heute nicht diese Stellung. Die MOPO dürfte eine der wenigen Zeitungen sein, die fast ausschließlich durch das Produkt wirbt. Da können wir stolz drauf sein. Aber Geld für die Markenpflege anzufassen, wäre für die Zukunft sicher besser.

Wir haben unsere Erfahrungen mit dem Kölner Express: Die beiden Redaktionen verbindet eine gute jahrzehntelange Zusammenarbeit. Kollegen von uns haben ihre Heimat im Express gefunden. Wir erinnern uns auch an die Zeit der G+J – Redaktionsgemeinschaft (1999/2000), als der G+J-Boss Buchholz auf die Idee kam, zusammen mit Konstantin NevenDuMont eine Gemeinschaftsredaktion für die überregionalen Themen der drei Boulevard-Zeitungen in Berlin zu gründen. Die drei damaligen Chefredakteure haben unter dem Druck der Geschäftsführungen einen Teilprozess hiervon begleiten müssen. Es war aber damals insbesondere der EXPRESSChefredakteur Willi Raith, der den Satz geprägt hat, dass der EXPRESS sein eigenes Konzept hat und dieses Konzept verfolgt. Von einer Zusammenlegung der überregionalen Teile konnte keine Rede sein, dies lehnte er ab. Später war es der EXPRESS, der den Vertrag über die Redaktionsgemeinschaftslieferung kündigte. Analog hatten sich aber auch die MOPO – Chefredakteurin Marion Horn sowie Alfons Schwaner, der verstorbene Chefredakteur des Kurier, geäußert. Jede Boulevard-Zeitung ist in ihrer Region, in ihrer Stadt stark. Die (G+J-) Redaktionsgemeinschaft ist damals zu Recht gescheitert und niemand sollte sie heute wieder verfolgen. Montgomery und Depenbrock sahen in den unseligen Synergien eine Chance, das Ergebnis zu verbessern. Genau diesen Weg darf man nicht mehr verfolgen. Kosten kann man reduzieren, ohne dass man sich verbiegt.

Auch das haben uns die Jahre nach G+J gezeigt: Überteuerte Konzernkosten belasten das Betriebsergebnis viel stärker. Die Zeiten, wo ein Eigentümer Millionen für die MOPO anfassen musste, sind vorbei. Die MOPO ist erfolgreich un d muss es bleiben. Ob zu G+J-Zeiten, unter Barlach/Depenbrock oder zuletzt Mecom/Montgomery, wir haben uns unserer schönen Haut gewehrt und wir werden uns auch weiterhin dieser Haut wehren, wenn man glaubt, zusätzliche Gewinne über eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und den Abbau von Arbeitsplätzen zu erreichen. Der bestehende (Haus)Tarifvertrag gewährleistet das Einkommen und die Arbeitsbedingungen, die für uns maßgebend sind. Wichtig ist auch, dass es in der MOPO eine Kultur der Zusammenarbeit von Betriebsrat und Geschäftsleitung gibt. Bestehende Regelungen haben ihren Wert und zwar für beide Seiten. Es versteht sich, dass die Arbeitsplätze, die Arbeitsbedingungen und die Sicherung der journalistischen Unabhängigkeit der Redaktion von Kunden und Eigentümern die wichtigsten Güter sind, für die wir als Betriebsrat eintreten. MDS tritt nicht als eine Gruppe auf, die auf betriebsbedingte Kündigungen setzt. Das nehmen wir mit Interesse zur Kenntnis. Wir freuen uns auf die Betriebsräte der Gruppe von DuMont-Schauberg, der Frankfurter Rundschau und der Mitteldeutschen Zeitung.

Es ist der siebte Wechsel in der MOPO-Geschichte, Montgomery gehört mit zu den Tiefpunkten.Der Betriebsrat sieht der Zukunft opimistisch entgegen. Ein Ausbau des MOPO-Erfolgs geht nur mit der Mannschaft und nur am Standort Hamburg.

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