Zum Kauf der MOPO durch VSS 2006

MOPO Betriebsrat: Wir sehen selbstbewusst nach vorne Nach knapp sechs Jahren haben Hans Barlach und Minderheitsgesellschafter Josef Depenbrock, die HAMBURGER MORGENPOST an die BV Deutsche Zeitungsholdin der ausländischen Finanzinvestoren (volkstümlich „Heuschrecke“) um David Montgomery verkauft, bleiben uns aber als Herausgeber (Barlach) beziehungsweise Chefredakteur und Geschäftsführer (Depenbrock) erhalten. Beide haben sich nämlich in unbekannter Höhe an der Zeitungsholding beteiligt; Josef Depenbrock wird dort neben Peter Skulimma einer der beiden Geschäftsführer. Dies wurde der Belegschaft heute Nachmittag, nach bangen Tagen voller Ungewissheit, von Herrn Depenbrock mitgeteilt.

Die 120-köpfige MOPO-Belegschaft reagierte betreten. Ist doch zu befürchten, dass die MOPO nun ausgeschlachtet und mit dem Berliner Kurier zusammen geführt wird, um möglichst große, die Rendite steigernde zu erzielen. J.Depenbrock versuchte, diese Befürchtungen zu beschwichtigen. Hauptmotiv für den Verkauf an die Zeitungsholding sei, dass die MOPO einen soliden Hintergrund braucht, um allen möglichen Zukunftsrisiken zu begegnen. Der Arbeitsplatz aller Schlüsselpersone in Hamburg sei sicher. Auch sein Hauptarbeitsplatz werde mindestens noch dieses Jahr Hamburg bleiben.Natürlich müsse es Zusammenarbei mit dem Kurier geben. Aber von Plänen, in Berlin eine zentrale Mantelredaktion zu schaffen, sei ihm nichts bekannt. Er denke schon, dass die MOPO-Redaktion Vollredaktion bleibt. Schon wegen der (noch?) zu unterschiedlichen Blatt-Strukturen. Etwa der wesentlich weniger umfangreiche Politik-Teil des Kurier: Man könne den Hamburger Lesern nicht einfach zwei Drittel des gewohnten Politik-Teils wegnehmen. Aber: Der Plan, wie man sich schließlich ausrichtet, wird erst noch erarbeitet. Als erster Schritt sei die gemeinsame Anschaffung eines neuen Redaktions- und Anzeigensystems geplant.

Der Betriebsrat und die überwiegende Mehrheit der Belegschaft sehen dem, was da auf uns zu kommt, mit Gelassenheit und Selbstvertrauen entgegen.Es ist der vierte Verkauf seit Existenz der MOPO. Und die Erfahrung zeigt: Wer sich in Hamburg mit der MOPO behaupten will, wird auf die Beschäftigten in Verlag und Redaktion setzen müssen. Das Unikat MOPO hat seinen festen Platz in Hamburg. Das müssen auch hungrige Verleger sehen. Schon Gruner+Jahr ist mit seinem Versuch gescheitert, die Politik- und Nachrichtenredaktion der MOPO zu zerschlagen und uns an den Kurrier- Tropf zu legen, gescheitert. Josef Depenbrock hat nach Übernahme der MOPO durch Hans Barlach und Frank Otto diesem fast tödlichen Experiment ein Ende bereitet. Das lässt hoffen.

Unsere Zeitung ist gesund. Die MOPO hat in den letzten sechs Jahren über 4 Mio. € Gewinn erwirtschaftet, die Umsatzrendite beträgt gegenwärtig 6 %. Mit einem Ergebnis von 1,3 Mio.€ für das abgelaufene Geschäftsjahr (2005/2006) liegt die Zeitung in einem erfolgreichen Fahrwasser. Nach Angaben der Geschäftsleitung ist sie in beiden Absatzmärkten (Anzeigen und Vertrieb) gegenwärtig im Plan.

Sozialer Wildwest über Personalabbau wird nicht nur an der Realität in Hamburg scheitern, sondern auch an unserem Willen, den Erfolg der MOPO gegen falsche Interessenlagen zu verteidige, verdeutlich Artus die Position des Betriebsrats zum neuen Eigentümer. Gerd Schulte-Hillen kauft gewissermaßen zum zweiten Mal die MOPO und kann zum ersten Mal auf Gewinnbeteiligung hoffen. Er sollte den Bogen nicht überspannen

Es geht um die redaktionelle Leistung der MOPO für Hamburg, um die publizistische Unabhängigkeit der Zeitung und die soziale Sicherheit der Beschäftigte, so Artus zu inhaltlichen Positionierung des Betriebsrats. Auf unsere Kollegen in Berlin freuen wir uns, gewissermaßen sitzen wir wieder in einem Boot. Mit dem Betriebsrat in Berlin fühlen wir uns verbunden.

Die MOPO zählt heute rund 120 Beschäftigte, befindet sich in etwa auf dem Personalniveau in der Redaktion wie zu Zeiten von Gruner+Jahr (1999). Mit einer IVW Auflage von 111.025. (IV/2005) bewegt sie sich auf dem Niveau des Vorjahres.

aus: Betriebsrats-Information vom 27.01.2006

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