Zum Verkauf der Hamburger MORGENPOST durch Gruner+Jahr 1999

Die Beschäftigten in Verlag und Redaktion haben die Nachricht vom Verkauf der Hamburger Morgenpost mit Wut und Enttäuschung aufgenommen. Wut und Enttäuschung, weil die vollmundigen Erklärungen noch am 16. September zum 50. Geburtstag der MOPO das Gefühl vermittelten, G+J stehe zu dem Blatt – ein Trugschluss.  Schon in den vergangenen Monaten wurden Redaktion und Verlag durch den radikalen Sparkurs von G+J systematisch verunsichert. Viele Kollegen haben sich auf die Suche nach einem neuen Job gemacht; etliche haben sich überzeugen lassen, der MOPO treu zu bleiben. Wir befürchten, dass sie es sich jetzt anders überlegen – dann wäre diese schon jetzt bis aufs Äußerste belastete Redaktion nicht mehr arbeitsfähig.

Die aktuelle Krise der MOPO wurde durch die Bildung der Redaktionsgemeinschaft Ende April eingeleitet. Redaktion und Betriebsrat haben vergeblich gegen die Zerschlagung der Vollredaktion protestiert. Statt der von G+J versprochenen Qualitätsverbesserung haben sich bisher aus diesem Experiment nur Reibungsverluste ergeben. Einmal wieder hat sich gezeigt: Eine Zeitung ist keine Schraubenfabrik. Der Versuch von G+J, den Kölner Express an der Sanierung der MOPO zu beteiligen, ist gescheitert. Jetzt hängt die Redaktionsgemeinschaft wie Blei an der MOPO und droht, ihre weitere Entwicklung zu behindern.

Die MOPO gehört zu Hamburg, es wird sie auch künftig geben. Allerdings stehen auch die neuen Gesellschafter vor den Aufgaben, die wirtschaftliche Situation zu verbessern und der Redaktion eine neue Perspektive aufzuzeigen. Das wird nicht einfach werden. Wir setzen darauf, dass die neuen Eigentümer – anders als G+J – zusammen mit den Beschäftigten in Verlag und Redaktion nach Lösungen suchen. Der Betriebsrat wird alles tun, um einer Untergangsstimmung in Ader MOPO entgegenzuwirken. Wir appellieren an die Kollegen, die sich gestern Abend innerlich von der Zeitung verabschiedet haben, diese Haltung noch einmal zu überdenken.

Bis jetzt haben die neuen Gesellschafter noch nicht verraten, wohin die Reise für die MOPO gehen soll. Trotzdem gilt: Mit dem Verkauf ergibt sich eine Chance für uns; die Manager von G+J haben sich in diesem Jahr selbst disqualifiziert.

Hamburg, den 21. Oktober 1999

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